Ein betrunkener Redneck, ein Quad, die ägyptische Wüste und ein Unfall, der eigentlich das Ende der Geschichte sein müsste. In Immortal Redneck ist er erst der Anfang. Das spanische Studio Crema bringt seinen First-Person-Shooter mit Roguelike-Elementen am 10. Mai auf die Nintendo Switch, und ich durfte schon vorab in die Pyramiden. Gespielt habe ich ausschließlich auf der Switch, im Dock wie unterwegs.
Ehrlich gesagt hatte ich bei der Prämisse eher einen kurzen Klamauk-Snack erwartet. Was ich bekommen habe, war ein Shooter, der mich über mehrere Stunden festgehalten, motiviert, gefordert und zwischendurch auch ordentlich verärgert hat. Ob Immortal Redneck auf Dauer trägt, klärt dieser Test.
Geschichte: Ein mumifizierter Redneck
Ja, ihr habt richtig gelesen. Unser Protagonist, der im ganzen Spiel nur „Redneck“ heißt, rast betrunken mit seinem Quad durch die Wüste, baut einen Unfall und stirbt. So klischeehaft wie nur möglich wird er anschließend mumifiziert, erwacht aus unerklärlichen Gründen wieder zum Leben und muss nun drei Pyramiden bezwingen.
Damit ist die Story auch schon erzählt. Mit seiner Geschichte kann Crema nicht glänzen, aber das will das Spiel auch gar nicht. Immortal Redneck lebt von seinen Systemen, nicht von seiner Handlung, und die Figur selbst funktioniert mit ihren Sprüchen und ihrem Auftreten erstaunlich gut als augenzwinkernder Anti-Held.

Gameplay: Rein gehen, schießen und sterben
Eines der Kernelemente von Roguelike-Spielen ist der Tod, und der ist endgültig. Nach einem gescheiterten Durchlauf fangt ihr wieder ganz von vorn an. Mitnehmen dürft ihr nur das Geld, das ihr in den Pyramiden gefunden habt, und das investiert ihr in Upgrades. Die braucht Redneck auch dringend, denn ohne sie kommt er nicht weit.
Jeder Run beginnt mit dem Gang in eine Pyramide, deren Räume per prozeduraler Generierung zufällig zusammengesetzt werden. Kein Durchlauf gleicht dem anderen. Redneck startet mit drei bis vier Grundwaffen und kämpft sich damit Etage für Etage nach oben, vorbei an Gegnerhorden bis zum Boss an der Spitze. Viele Räume sind wirklich weitläufig, und gerade kleine Gegner von der Größe eines Frosches übersieht man da schnell. Das Spiel hilft clever nach: Wer eine Weile in einem Raum verbracht hat, in dem noch Feinde übrig sind, bekommt diese mit einer roten Umrandung angezeigt. Eine kleine, aber wirkungsvolle Quality-of-Life-Funktion, die viel unnötiges Herumirren erspart.
Bosse: Jeder Endgegner hat seine eigenen Regeln
An der Spitze jeder Pyramide wartet ein Boss, und auch der wird zufällig ausgewählt. Jeder Endgegner verlangt dabei eine eigene Herangehensweise. Der Pharao etwa ist unverwundbar, solange er sich zeigt. Erst wenn er sich in einem seiner Sarkophage versteckt, wird er angreifbar, allerdings nicht direkt: Man muss die Sarkophage zerstören, um ihm Lebenspunkte abzuziehen.
Solche Mechaniken heben Immortal Redneck von vielen anderen Roguelike-Titeln ab, in denen Bosse oft nur größere Kugelschwämme sind. Hier muss ich jeden Kampf erst lesen und verstehen, bevor ich ihn gewinnen kann, und genau das macht die Bosse zu Höhepunkten eines Runs.
Loot, Loot und noch einmal Loot
Bei der Erkundung findet Redneck ein umfangreiches Arsenal an Waffen, vom einfachen Bogen bis zur hochentwickelten Teslapistole. Hier macht Immortal Redneck richtig Spaß, denn die Waffen spielen sich spürbar unterschiedlich und wecken sofort den Sammeltrieb. Leider verfliegt der mit der Zeit wieder: Mit rund 50 auffindbaren Waffen hat man das Repertoire nach einigen Stunden weitgehend gesehen.
Für Abwechslung sorgen die Schriftrollen, mit denen Redneck seine Fähigkeiten verbessern oder auch verschlechtern kann. Was eine Schriftrolle bewirkt, seht ihr erst nach dem Aufheben, jeder Fund ist also ein kleines Glücksspiel. Crema war hier richtig einfallsreich: Die Palette reicht von Lebensenergie für jeden besiegten Gegner bis zu einer Rolle namens „Scheiße“, die schlicht gar nichts bewirkt. Einfach genial, und bei mir gab es in fast jedem Run den Moment, in dem ich eine neue Rolle entdeckt habe und die Motivation sofort zurück war.

Steuerung & Shooter-Gefühl auf der Switch
Umsonst gibt es in den Pyramiden natürlich nichts. Waffen, Schriftrollen und Münzen wollen erkämpft werden, und das geschieht in klassischer Shooter-Manier gegen ganze Gegnerhorden. Das Geld ist dabei enorm wichtig, denn nach dem Tod kann Redneck die gesammelten Münzen im Startgebiet frei ausgeben.
Beim Schießen und Springen macht Redneck eine richtig gute Figur. Die Steuerung funktioniert auf der Switch überraschend präzise, was bei einem schnellen Ego-Shooter auf der Konsole keine Selbstverständlichkeit ist. In ein paar Sprungpassagen hakte es gelegentlich, im Großen und Ganzen war ich mit dem Spielgefühl aber zufrieden.

Geld regiert die Welt: Händler und Talentbaum
Mit dem gesammelten Geld kauft ihr im Startgebiet Gegenstände oder Medaillen beim Händler. Redneck darf immer nur eine Medaille mit in die Pyramide nehmen, und weitere Medaillen schaltet ihr erst frei, wenn ihr in den Pyramiden die passenden Blaupausen findet. Den Händler selbst müsst ihr vorher einmalig im Talentbaum freischalten.
Dieser Talentbaum ist das eigentliche Herzstück der Progression. Hier kauft ihr mehr Munition, höhere Angriffskraft, mehr Verteidigung und vieles mehr. Besonders gelungen finde ich, dass der Baum tatsächlich wächst: Je mehr Geld ihr investiert, desto größer wird er auch optisch, sodass man auf einen Blick sieht, wie viel bereits in Redneck steckt. Die Talente fühlen sich dabei nie überflüssig an, in höheren Stufen sind sie sogar spielentscheidend.
Gottheiten: Die Segnung entscheidet den Spielstil
Die wichtigsten Käufe im Talentbaum sind die Segnungen verschiedener Gottheiten. Welche Gottheit Redneck begleitet, entscheidet über seine Startwaffen sowie über seine aktiven und passiven Fähigkeiten. Acht Gottheiten lassen sich freispielen, und sie unterscheiden sich deutlich. Apis steht für Stärke, gibt Redneck von Anfang an vier Grundwaffen mit und macht ihn per aktiver Fähigkeit kurzzeitig unsterblich. Sekhmet dagegen setzt auf Gesundheit und verwandelt mit ihrer Fähigkeit alles im Raum in Fleischstücke, die eure Lebenspunkte auffüllen.
Vor jedem Durchlauf wählt ihr eine Segnung aus und könnt sie jederzeit wechseln, solange ihr noch nicht in der Pyramide steht. Danach ist die Entscheidung fix. Man muss also genau abwägen, welche Gottheit zum eigenen Spielstil passt, und genau das bringt viel Tiefe ins Spiel: Ob ich offensiv oder defensiv in einen Run starte, macht einen enormen Unterschied.
Fazit: Ein unsterblicher Spaß mit begrenztem Vorrat
Immortal Redneck hat mich über mehrere Stunden absolut gefesselt, und das hätte ich bei dieser Prämisse nicht erwartet. Die Geschichte ist kaum der Rede wert, aber ein Titel wie dieser braucht sie auch nicht. Die Waffen spielen sich abwechslungsreich, die Schriftrollen sorgen für Überraschungen und Lacher, der wachsende Talentbaum motiviert, und die Gottheiten verändern die Spielweise so deutlich, dass sich jeder Run anders anfühlt. Dazu kommt eine Steuerung, die auf der Switch richtig gut funktioniert, und ein unabhängiges Studio, das man nach diesem Spiel im Blick behalten sollte, wenn man sich für Indie-Spiele interessiert.
Der größte Haken ist der begrenzte Umfang. Mit rund 50 Waffen ist der Sammeltrieb irgendwann gestillt, und wer jeden Gegenstand gesehen hat, spielt vor allem noch für die Talente und Gottheiten weiter. Kleinere Hakler in Sprungpassagen fallen dagegen kaum ins Gewicht. Wer Roguelike-Titel wie The Binding of Isaac oder Slay the Spire mag und mit Permadeath und ständigen Neustarts leben kann, bekommt mit Immortal Redneck einen kurzweiligen, motivierenden Shooter, der für jeden Rückschlag mit neuen Waffen und Gegenständen belohnt.
| Pro | Contra |
|---|---|
| Abwechslungsreiche Waffen, die sich unterschiedlich spielen | Kaum nennenswerte Geschichte |
| Bosse mit eigenen Mechaniken statt reiner Kugelschwämme | Mit rund 50 Waffen ist der Inhalt schnell ausgeschöpft |
| Einfallsreiche Schriftrollen mit Überraschungseffekt | Gelegentliche Steuerungsprobleme in Sprungpassagen |
| Sichtbar wachsender Talentbaum mit spürbaren Upgrades | Große Räume, in denen einzelne Gegner leicht übersehen werden |
| Gottheiten verändern den Spielstil deutlich | Permadeath und Neustarts können frustrieren |
| Präzise Shooter-Steuerung auf der Switch |
Spiel: Immortal Redneck
Entwickler: Crema
Genre: First-Person-Shooter mit Roguelike-Elementen
Release (Switch): 10. Mai 2018
Preis zum Switch-Start: 19,99 Euro
Getestet auf: Nintendo Switch

Häufig gestellte Fragen zu Immortal Redneck
Was für ein Spiel ist Immortal Redneck?
Immortal Redneck ist ein First-Person-Shooter mit Roguelike-Elementen vom spanischen Studio Crema. Als wiederauferstandener Redneck kämpft ihr euch durch zufallsgenerierte Pyramiden und startet nach jedem Tod von vorn.
Wann erscheint Immortal Redneck für die Nintendo Switch?
Die Switch-Version erscheint am 10. Mai 2018 zum Preis von 19,99 Euro.
Was nimmt man nach dem Tod in Immortal Redneck mit?
Nur das gesammelte Geld bleibt erhalten. Damit kauft ihr im Startgebiet Upgrades im Talentbaum, Gegenstände und Medaillen beim Händler sowie die Segnungen der Gottheiten.
Wie viele Gottheiten gibt es in Immortal Redneck?
Acht Gottheiten lassen sich freispielen. Jede bestimmt die Startwaffen sowie die aktiven und passiven Fähigkeiten, mit denen Redneck in die Pyramide geht.
Wie viele Waffen gibt es in Immortal Redneck?
Es gibt rund 50 auffindbare Waffen, vom einfachen Bogen bis zur Teslapistole. Nach einigen Stunden hat man das Arsenal allerdings weitgehend gesehen.
Für wen eignet sich Immortal Redneck?
Für alle, die Roguelike-Titel wie The Binding of Isaac oder Slay the Spire mögen und gern Shooter spielen. Wer mit Permadeath und ständigen Neustarts nichts anfangen kann, sollte vorsichtig sein.