Marvel's Wolverine

Marvel’s Wolverine im Test: Logan zeigt die Krallen, doch der große Knall bleibt aus

Nach drei Open-World-Abenteuern mit Spider-Man schlägt Insomniac Games einen völlig anderen Weg ein: Marvel’s Wolverine ist ein linear erzähltes, brutales Action-Adventure, das seit dem 15. September 2026 als Exklusivtitel für die PS5 erhältlich ist. Die Erwartungen waren entsprechend hoch, denn dem Studio traut man nach Spider-Man, Miles Morales und Spider-Man 2 einiges zu, und Logan gehört ohnehin zu den beliebtesten Figuren im Marvel-Universum. Ich habe das Spiel auf der PS5 Pro gespielt, mit dem neuesten Patch. Hier ist mein Test.

Story & Atmosphäre

Marvel’s Wolverine erzählt eine Originalgeschichte: Drei Jahre nach seinem Ausstieg schließt sich der gedächtnislose Logan wieder Team X an, einem Mutanten-Einsatzkommando, das Nathaniel Essex gegründet hat, um Mutanten zu schützen. Zum Team gehören unter anderem Sabretooth und Mystique. Ihr gemeinsamer Gegner ist der mutantenfeindliche Industrielle Bolivar Trask, der mit seiner Reaver-Miliz Mutanten entführen lässt. Die Reise führt von Kanada über das zwielichtige Madripoor bis nach Japan. Unterwegs stößt Jean Grey dazu, und mit Omega Red, Sentinels und weiteren Gegnern aus dem Marvel-Universum bekommt Logan reichlich zu tun.

Wer wissen möchte, was davon aus den Comics stammt: Team X, Madripoor und Jean Grey sind bekannte Bausteine, die Handlung selbst steht aber unabhängig vom Comic-Kanon. Hintergründe zur Figur, zu Weapon X, Origin und Co. findest du in unserem Artikel zu den Wolverine-Comics: Herkunft, Kanon und die wichtigsten Storys.

Erzählerisch läuft vieles gleichzeitig: Trask, die Reaver, Team X, Jean, Logans Erinnerungen. Das ist viel Stoff für eine Kampagne von rund 15 Stunden. Die deutsche Vertonung ist wirklich gut, und die Sprecher machen durchweg einen guten Job. Im englischen Original spricht Liam McIntyre Logan, Krizia Bajos Jean Grey und Jason Spisak Bolivar Trask.

⚠️ Spoiler-Hinweis: Der folgende Absatz verrät Eckpunkte aus der Mitte und vom Ende der Handlung.

Trask überlebt die Geschichte nicht, wodurch Essex in die Rolle des eigentlichen Gegenspielers rückt. Sabretooth stellt sich dabei zunehmend hinter Essex, was zwangsläufig zum Bruch mit Logan führt. Im Finale dreht sich schließlich alles um Logans Erinnerungen und die Frage, wie er zu dem Mann wird, den man aus den Comics kennt.

Kampfsystem & Gewaltdarstellung

Im Zentrum steht der Nahkampf. Logan schlitzt sich mit seinen Klauen durch Söldner, Reaver und Kampfmaschinen und baut dabei eine Wutanzeige (Rage) auf, die in mehreren Stufen immer mächtigere Angriffe freischaltet.

Ein sehr wichtiges Element ist das Parieren. Wer Angriffe im richtigen Moment abwehrt, stoppt nicht nur den Schaden, sondern füttert auch die Rage-Anzeige. Gelb aufblitzende Angriffe der Gegner lassen sich mit einem tödlichen Konter beantworten, und mehrere erfolgreiche Paraden bringen Gegner ins Wanken. Mit der Technik Advanced Parry lassen sich später sogar mehrere Nahkampfangriffe gleichzeitig abwehren.

Das Fähigkeitensystem ist zweigeteilt. Für Levelaufstiege, die du über XP erhältst, bekommst du Technique Points, mit denen du neue Techniken freischaltest, etwa Tornado Spin oder Knee Breaker. Mehrere Fähigkeiten lassen sich erlernen und anschließend durchwechseln: Bis zu vier Spezialtechniken können gleichzeitig ausgerüstet sein, und das Loadout lässt sich zwischen den Kämpfen anpassen. Dazu kommen die Anpassungen, passive Perks, die zum Beispiel Paradefenster verlängern oder Rage-Effekte verstärken. Du startest mit einem Slot, und durch das Einsammeln von Whisky-Flaschen und das Abschließen von Albtraumtüren steigt die Anpassungsstufe, bis schließlich zehn Slots zur Verfügung stehen. Auch die Anpassungen lassen sich jederzeit tauschen.

So ergeben sich unterschiedliche Spielweisen: eine aggressive Rage-Variante mit Fokus auf kritische Treffer oder ein defensiver Ansatz, der Paraden und Ausweichmanöver mit Heilung belohnt. Klauen und Anzüge sind dagegen rein kosmetisch und haben keinen Einfluss auf das Gameplay.

Bei der Gewaltdarstellung nimmt Insomniac kein Blatt vor den Mund. Das ist teilweise wirklich heftig, aber genau das, was man von einem Wolverine-Spiel erwartet. Schon X-Men Origins: Wolverine (2009) hat sich in dieser Hinsicht nicht lumpen lassen, und Marvel’s Wolverine zieht das nun mit aktueller Technik konsequent durch.

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Spielstruktur, Umfang & Pacing

Insomniac verabschiedet sich von der offenen Welt. Marvel’s Wolverine ist ein durchgehend lineares Abenteuer mit klar abgesteckten Abschnitten. Diese Entscheidung finde ich grundsätzlich in Ordnung, wer von den Spider-Man-Spielen aber freies Erkunden gewohnt ist, sollte das vorher wissen.

Gerade durch den linearen Aufbau hätte man das Spielgeschehen konsequent auf Highlights ausrichten und große Momente inszenieren können. Genau da fehlen mir aber ein bisschen die richtigen Knaller, also diese großen, inszenierten Höhepunkte, die lange in Erinnerung bleiben. Ein paar gibt es, für meinen Geschmack aber zu wenige. Auch die Zwischensequenzen sind teilweise zu lang geraten und bremsen den Spielfluss aus. Hinzu kommt das Pacing: Immer wieder hatte ich das Gefühl, das Ende rücke näher, nur um dann festzustellen, dass die Geschichte noch weiterging.

Die Spielzeit ist mit rund 15 bis 17 Stunden in Ordnung. Beim grundsätzlichen Umfang sehe ich das Spiel dennoch eher auf der schwächeren Seite: Es gibt zwar die Albtraumtüren, hinter denen Herausforderungen warten, und ein paar Sammelgegenstände, aber das war es dann auch. So richtig in Erinnerung bleiben wird mir das Spielerlebnis deshalb nur schwer.

Technik & Präsentation auf der PS5 Pro

Auf der PS5 Pro bietet das Spiel mehrere Grafikmodi: Performance Pro, Fidelity Pro und einen Modus mit erweitertem Raytracing, alle mit PSSR-Upscaling. Auf der Standard-PS5 sorgt das Update 1.002.000 für das neue KI-Upscaling QSSR, mehr dazu in unserer News zum QSSR-Update. Das Update behebt außerdem Abstürze und Fehler, die Spieler gemeldet hatten.

Ich habe mit dem neuesten Patch gespielt. Trotzdem ist das Spiel bei mir an zwei Stellen hängen geblieben, und gelegentlich traten kleinere Grafikfehler auf. Abgesehen davon war die Technik ordentlich.

Schwächen

Beim Umfang wirkt das Spiel eher überschaubar: Abseits der Story gibt es die Albtraumtüren mit ihren Herausforderungen und ein paar Sammelgegenstände, mehr nicht. Der lineare Aufbau hätte die Chance geboten, das Spielgeschehen auf viele Highlights auszurichten und große Momente zu inszenieren, doch die richtigen Knaller fehlen. Die Zwischensequenzen sind teilweise zu lang, und das Pacing führt mehrfach zu falschen Finale-Momenten, bevor die Geschichte tatsächlich endet. Technisch trüben zwei Hänger und kleinere Grafikfehler den Gesamteindruck, selbst mit dem neuesten Patch. Unterm Strich wird das Spielerlebnis nur schwer in Erinnerung bleiben.

Fazit

Marvel’s Wolverine ist ein brutales, geradliniges Action-Adventure, das Logan mit kompromissloser Gewalt und einer ordentlichen Technik auf die PS5 bringt. Als Fan der Figur bekommt man genau die Härte, die man erwartet, dazu ein flexibles Fähigkeitensystem und eine richtig gute deutsche Vertonung. Allerdings bleiben Umfang und Inszenierung hinter dem zurück, was ich mir von einem Wolverine-Spiel von Insomniac gewünscht hätte. Wer nach dem Spiel tiefer in die Figur einsteigen will, findet in unserem Comic-Überblick Einsteiger-Tipps, welche Wolverine-Comics sich dafür eignen. Mein Fazit lautet: Ein solides, brutales Wolverine-Abenteuer, dem zum ganz großen Wurf der letzte Knall fehlt.

MARVEL’S WOLVERINE
Insomniac Games · PlayStation 5
Release: 15.09.2026
Getestet auf PS5 Pro · Patch 1.002.000
7,5
von 10

✅ Stärken ❌ Schwächen
+ Kompromisslose, brutale Gewaltdarstellung passend zur Figur – Überschaubarer Umfang: abseits der Story nur Albtraumtüren und Sammelobjekte
+ Linearer, fokussierter Aufbau ohne Open-World-Ballast – Zu wenige echte Highlights, obwohl der lineare Aufbau sie ermöglicht hätte
+ Ordentliche Technik und mehrere Grafikmodi auf der PS5 Pro – Zwischensequenzen teilweise zu lang
+ Sehr gute deutsche Vertonung mit starken Sprechern – Pacing mit mehreren falschen Finale-Momenten
+ Vielseitiges Fähigkeitensystem: wechselbare Techniken und Anpassungen, Parieren als zentrales Element – Zwei Hänger und kleinere Grafikfehler trotz neuestem Patch
Plattformen: PlayStation 5 (exklusiv, PS5 Pro optimiert)
Getestete Version: PS5 Pro – Patch 1.002.000, Stand Oktober 2026
UVP: 79,99 € (Standard Edition) / 89,99 € (Digital Deluxe Edition)
Für wen: Fans von Wolverine und brutaler, linearer Action, die eine kompakte Story-Kampagne suchen und keine offene Spielwelt erwarten.
Offenlegung: Selbst erworben. Kein Review-Code vom Publisher erhalten.

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