Insomniac Games

Insomniac Games: Die Geschichte des Studios hinter Spyro, Ratchet & Clank und Spider-Man

Insomniac Games ist ein US-amerikanisches Entwicklerstudio aus Burbank, Kalifornien, das Ted Price 1994 gegründet hat. Bekannt wurde es mit Spyro the Dragon und Ratchet & Clank, zum größten Studio im PlayStation-Kosmos machte es Marvel's Spider-Man. Seit 2019 gehört Insomniac zu Sony, 2026 erschien mit Marvel's Wolverine das bislang jüngste Spiel.

Die Geschichte von Insomniac Games verläuft dabei alles andere als geradlinig. Das Studio startete mit einem Shooter, den kaum jemand kaufte, entwickelte zwischendurch für Microsoft und EA und war mehr als 25 Jahre unabhängig, bevor es Teil der First-Party-Studios von Sony wurde. Dieser Überblick zeichnet die wichtigsten Stationen nach, von Disruptor bis Wolverine.

Insomniac Games im Steckbrief

  • Gegründet: 28. Februar 1994 als Xtreme Software, seit 1995 Insomniac Games
  • Gründer: Ted Price, kurz darauf mit den Programmierern Alex und Brian Hastings
  • Sitz: Burbank (Kalifornien), zweites Studio in Durham (North Carolina) seit 2009
  • Mitarbeiter: rund 450
  • Eigentümer: Sony Interactive Entertainment (seit 2019, Teil der PlayStation Studios)
  • Leitung: Chad Dezern, Ryan Schneider und Jen Huang als Co-Studio-Heads (seit April 2025)
  • Bekannte Reihen: Spyro the Dragon, Ratchet & Clank, Resistance, Marvel's Spider-Man, Marvel's Wolverine

Wie hat Insomniac Games angefangen?

Ted Price arbeitete nach seinem Studium in Princeton zunächst als Controller für ein Medizin-Start-up, wollte aber schon als Kind in die Spielebranche. Im Februar 1994 gründete er Xtreme Software, wenige Monate später stießen die Brüder Alex und Brian Hastings dazu. Weil der Name schon vergeben war, nannte sich das Team bald Insomniac Games.

Das erste Projekt war Disruptor, ein Ego-Shooter im Stil von Doom. Ursprünglich für die 3DO-Konsole gedacht, musste das Spiel mitten in der Entwicklung umziehen, weil 3DO als Plattform zusammenbrach. Alex Hastings portierte die Engine in rund zwei Wochen auf die PlayStation. Mit Universal Interactive fand Insomniac einen Publisher, Disruptor erschien im November 1996. Die Kritiken waren gut, die Verkäufe schwach. Price nannte den Titel später das beste Spiel, von dem nie jemand gehört hat.

Spyro the Dragon: der erste große Erfolg

Der Durchbruch kam 1998 mit Spyro the Dragon, einem bunten 3D-Plattformer um einen kleinen lila Drachen. Spyro war für jüngere Spieler gedacht und bildete auf der ersten PlayStation einen Gegenpol zu den Shootern und Rennspielen jener Zeit. Mit Spyro 2: Ripto's Rage! (1999) und Spyro: Year of the Dragon (2000) folgten zwei Fortsetzungen in jährlichem Takt.

Danach gab Insomniac die Reihe bewusst ab. Laut Price war die Figur spielerisch zu begrenzt, unter anderem weil Spyro nichts in den Händen halten kann. Die Rechte lagen ohnehin bei Universal und wanderten später zu Activision. Die Originale leben weiter: Toys for Bob legte sie 2018 als Spyro Reignited Trilogy neu auf, 2027 soll mit Spyro: A Realm Beyond das erste neue Hauptspiel seit Jahren erscheinen, ebenfalls ohne Insomniac.

Ratchet & Clank: die eigene Marke für die PS2

Für die PlayStation 2 wollte Insomniac eine Figur, die Waffen und Werkzeuge benutzen kann. Daraus entstand Ratchet & Clank: ein Lombax-Mechaniker und ein kleiner Roboter, die sich durch eine Science-Fiction-Galaxie ballern. Der erste Teil erschien am 4. November 2002 und verband Plattformer-Elemente mit einem verrückten Waffenarsenal. Ratchet & Clank wurde zur langlebigsten Reihe des Studios: Going Commando (2003), Up Your Arsenal (2004) und Deadlocked (2005) folgten im Jahrestakt, auf der PS3 ging es mit Tools of Destruction (2007) und A Crack in Time (2009) weiter.

2016 kam ein Neuaufbau des ersten Teils parallel zum Kinofilm, der klassische Remake-Ansatz mit neuer Technik und überarbeiteter Geschichte. Ihren technischen Höhepunkt erreichte die Reihe 2021 mit Rift Apart auf der PS5. In unserem Test zu Ratchet & Clank: Rift Apart gab es 9,0 von 10 Punkten, vor allem für die Dimensionssprünge ohne Ladezeiten und die neue Heldin Rivet. Aktuell entsteht mit Ratchet & Clank: Ranger Rumble ein Mobile-Shooter des Studios OH BIBI, an dem Insomniac beteiligt ist.

Resistance und die PS3-Jahre

Parallel zu Ratchet & Clank wagte sich Insomniac 2006 an eine ernstere Reihe. Resistance: Fall of Man war einer der Starttitel der PlayStation 3 und spielt in einer alternativen Vergangenheit, in der eine außerirdische Spezies namens Chimera Europa überrennt. Der Shooter knüpfte an die Anfänge mit Disruptor an, diesmal mit großem Erfolg. Resistance 2 (2008) und Resistance 3 (2011) schlossen die Trilogie ab.

In dieser Phase wuchs das Studio deutlich. 2009 eröffnete Insomniac einen zweiten Standort in Durham, North Carolina. Alle Marken aus der PlayStation-Zeit, also Ratchet & Clank und Resistance, gehörten allerdings Sony, nicht Insomniac. Genau das sollte die nächsten Jahre prägen.

Warum Insomniac für Xbox und EA entwickelte

Anfang der 2010er wollte Insomniac eigene Marken besitzen und sich breiter aufstellen. Der erste Schritt war Fuse, ein Koop-Shooter, der 2013 bei Electronic Arts für PS3 und Xbox 360 erschien. Fuse war das erste Multiplattform-Spiel des Studios und floppte bei Kritik und Verkauf.

Deutlich besser lief Sunset Overdrive. Das schrille Open-World-Spiel mit Grinden, Wandlaufen und Platten als Munition erschien im Oktober 2014 exklusiv für die Xbox One und wurde von Microsoft finanziert. Der Grund für den Wechsel war wirtschaftlich: Microsoft ließ Insomniac die Rechte an der Marke. Damit war das Studio in der Geschichte der Xbox angekommen, ohne den Draht zu Sony zu kappen. Wer das Spiel nachholen will, findet es inzwischen auch für PC, Eindrücke liefert unser Test zu Sunset Overdrive.

Gleichzeitig experimentierte Insomniac breit. Song of the Deep (2016) war ein kleines Unterwasser-Metroidvania, dazu kamen mehrere VR-Spiele für die Oculus Rift: Edge of Nowhere, The Unspoken und 2019 das Action-Spiel Stormland.

Marvel's Spider-Man: der Durchbruch für ein Millionenpublikum

2014 suchte Marvel ein Studio für ein neues Spider-Man-Spiel, Sony brachte Insomniac ins Gespräch. Erstmals arbeitete das Team mit einer fremden Figur, bekam aber viel kreative Freiheit. Marvel's Spider-Man erschien am 7. September 2018 für die PS4 und erzählte eine eigene Geschichte mit einem erfahrenen Peter Parker in einem offenen New York.

Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen. Das Spiel verkaufte sich laut Berichten mehr als 20 Millionen Mal und gilt als eines der erfolgreichsten Superheldenspiele überhaupt. Im Test zu Marvel's Spider-Man vergaben wir damals 9 von 10 Punkten, vor allem für das Schwingen durch die Stadt und die emotionale Geschichte. Kritik gab es an den sich wiederholenden Nebenaktivitäten.

Wie wurde Insomniac Teil von Sony?

Im August 2019 gab Sony die Übernahme von Insomniac Games bekannt, im November war sie abgeschlossen. Laut Sonys Geschäftsbericht kostete das Studio rund 229 Millionen US-Dollar, überwiegend in bar. Insomniac wurde damit das 14. interne Studio der damaligen Worldwide Studios, heute PlayStation Studios. Die Rechte an Sunset Overdrive gingen mit über.

Für Sony war der Kauf naheliegend: Kaum ein Studio hatte so lange und so erfolgreich für die PlayStation entwickelt. Vergleichbar ist am ehesten Naughty Dog, das ebenfalls über Jahrzehnte mit Sony gewachsen ist.

Die PS5-Ära: Miles Morales, Rift Apart und Spider-Man 2

Zum Start der PS5 im November 2020 lieferte Insomniac Marvel's Spider-Man: Miles Morales, ein kürzeres Spin-off mit Miles als Hauptfigur. In unserem Test zu Miles Morales gab es 8,5 von 10 Punkten, für die sympathische Hauptfigur und die neuen Venom-Kräfte, mit Abzügen für die kurze Spielzeit. Das Spiel trug auch dazu bei, dass Insomniac in Debatten über Diversität in Videospielen häufig als positives Beispiel genannt wird.

Im Juni 2021 folgte Rift Apart, im Oktober 2023 dann Marvel's Spider-Man 2 mit Peter und Miles als spielbarem Duo. Spider-Man 2 verkaufte sich in den ersten 24 Stunden 2,5 Millionen Mal und war damit zu diesem Zeitpunkt das am schnellsten verkaufte Spiel der PlayStation Studios. Bis April 2024 waren es mehr als elf Millionen Exemplare. Die gesamte Spider-Man-Reihe von Insomniac hatte schon im Februar 2024 die Marke von 50 Millionen überschritten. Unser Test zu Marvel's Spider-Man 2 endete mit 9,2 von 10 Punkten.

Der Hackerangriff im Dezember 2023

Wenige Wochen nach dem Erfolg von Spider-Man 2 erlebte Insomniac den schwersten Rückschlag seiner Geschichte. Die Ransomware-Gruppe Rhysida drang in die Systeme des Studios ein und forderte 50 Bitcoin, damals rund zwei Millionen Dollar. Als Insomniac nicht zahlte, veröffentlichten die Täter am 19. Dezember 2023 rund 1,67 Terabyte mit mehr als 1,3 Millionen Dateien.

Darunter waren Spielszenen und Grafiken aus Wolverine, interne Zeitpläne, Budgets und Verträge, aber auch persönliche Daten von Beschäftigten wie Ausweiskopien. Laut den Unterlagen umfasste die Vereinbarung mit Marvel neben Wolverine zwei weitere X-Men-Spiele bis 2033. Der Fall gilt bis heute als einer der größten Leaks der Spielebranche und zeigt, warum Cybersicherheit auch für Spielestudios ein zentrales Thema ist.

Ted Price tritt ab: neue Führung seit 2025

Im Januar 2025 kündigte Ted Price an, sich nach mehr als 30 Jahren Ende März aus der Spielebranche zurückzuziehen. Seitdem führen drei langjährige Insomniac-Manager das Studio gemeinsam: Chad Dezern, zuvor Head of Creative, Ryan Schneider, zuvor für Marke und Führungsstrategie zuständig, und Finanzchefin Jen Huang. Den Wechsel hatte Price nach eigenen Angaben ein Jahr lang mit der Studioleitung vorbereitet.

Marvel's Wolverine und was danach kommt

Marvel's Wolverine wurde bereits 2021 angekündigt und erschien am 15. September 2026 exklusiv für die PS5. Das Spiel spielt im selben Universum wie die Spider-Man-Titel, setzt aber auf eine lineare Struktur und deutlich mehr Gewalt. Die Fachpresse reagierte verhaltener als bei den Vorgängern, auf Metacritic landete Wolverine bei 77 Punkten. Kommerziell lief der Start dennoch gut: Laut einer Schätzung von Alinea Analytics wurden in den ersten drei Tagen rund 1,9 Millionen Exemplare verkauft, offizielle Zahlen gibt es nicht.

Für unseren Test zu Marvel's Wolverine haben wir das Spiel selbst gekauft und auf der PS5 Pro gespielt. Das Ergebnis: 7,5 von 10 Punkten, mit Lob für das Kampfsystem und die deutsche Vertonung, aber Kritik an Umfang, Pacing und technischen Aussetzern. Wer sich für die Vorlage interessiert, findet in unserem Überblick zu den Wolverine-Comics die wichtigsten Storys.

Offiziell angekündigt ist nach Wolverine noch nichts. Marvel hat aber bestätigt, die Zusammenarbeit mit Insomniac fortzusetzen. Die Leaks von 2023 nannten ein Venom-Spin-off, Marvel's Spider-Man 3 und ein X-Men-Spiel, diese Pläne können sich seitdem geändert haben.

Alle Spiele von Insomniac Games im Überblick

Die Tabelle listet die wichtigsten von Insomniac entwickelten Spiele. Die letzte Spalte zeigt unsere eigene Wertung, sofern es einen Test bei gamefinity gibt.

Jahr Spiel Plattform (Erstveröffentlichung) gamefinity-Wertung
1996 Disruptor PlayStation –
1998 Spyro the Dragon PlayStation –
1999 Spyro 2: Ripto's Rage! PlayStation –
2000 Spyro: Year of the Dragon PlayStation –
2002 Ratchet & Clank PlayStation 2 –
2003 Ratchet & Clank: Going Commando PlayStation 2 –
2004 Ratchet & Clank: Up Your Arsenal PlayStation 2 –
2005 Ratchet: Deadlocked PlayStation 2 –
2006 Resistance: Fall of Man PlayStation 3 –
2007 Ratchet & Clank: Tools of Destruction PlayStation 3 –
2008 Resistance 2 PlayStation 3 –
2009 Ratchet & Clank: A Crack in Time PlayStation 3 –
2011 Resistance 3 PlayStation 3 –
2013 Fuse PS3, Xbox 360 –
2014 Sunset Overdrive Xbox One –
2016 Ratchet & Clank PlayStation 4 –
2018 Marvel's Spider-Man PlayStation 4 9,0
2019 Stormland Oculus Rift –
2020 Marvel's Spider-Man: Miles Morales PS5, PS4 8,5
2021 Ratchet & Clank: Rift Apart PlayStation 5 9,0
2023 Marvel's Spider-Man 2 PlayStation 5 9,2
2026 Marvel's Wolverine PlayStation 5 7,5

Häufige Fragen zu Insomniac Games

Wem gehört Insomniac Games?

Insomniac Games gehört seit 2019 zu Sony Interactive Entertainment und ist Teil der PlayStation Studios. Sony zahlte laut eigenem Geschäftsbericht rund 229 Millionen US-Dollar. Vorher war das Studio 25 Jahre lang unabhängig.

Wer hat Insomniac Games gegründet?

Gegründet hat das Studio Ted Price im Februar 1994, damals noch unter dem Namen Xtreme Software. Kurz darauf kamen die Programmierer Alex und Brian Hastings dazu. Price leitete Insomniac bis zu seinem Ruhestand Ende März 2025.

Was war das erste Spiel von Insomniac Games?

Das erste Spiel war Disruptor, ein Ego-Shooter für die PlayStation aus dem November 1996. Es bekam gute Kritiken, verkaufte sich aber schlecht. Der erste große Erfolg folgte 1998 mit Spyro the Dragon.

Wo hat Insomniac Games seinen Sitz?

Der Hauptsitz liegt in Burbank, Kalifornien. Seit 2009 gibt es einen zweiten Standort in Durham, North Carolina. Insgesamt arbeiten rund 450 Menschen für das Studio.

Entwickelt Insomniac noch Ratchet & Clank?

Die Marke gehört Sony und bleibt bei Insomniac. Das letzte Hauptspiel ist Rift Apart von 2021, ein Nachfolger ist bisher nicht angekündigt. Mit Ranger Rumble entsteht derzeit ein Mobile-Ableger, an dem Insomniac mitwirkt.

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