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STAY im Test: Ein Chatfenster gegen die Dunkelheit

Ein Kellerraum, eine nackte Glühbirne, ein alter Rechner mit Zugang zu einem einzigen Chatroom. Und am anderen Ende der Leitung: ich. Diesen Monat hat es das Adventure STAY von Steam auf die PlayStation 4 und die Nintendo Switch geschafft, auf der Xbox One ist es schon etwas länger zu haben. Ich habe mir das Spiel des spanischen Appnormals Team und von Publisher PQube auf der PS4 angesehen und mich dabei ziemlich tief in die Abgründe eines Mannes namens Quinn hineinziehen lassen. Mal mit Gänsehaut, mal mit echtem Mitgefühl und leider auch ein paar Mal mit dem Controller fest im Griff, weil mich das Spiel an genau den falschen Stellen ausgebremst hat.

STAY ist kein lautes Spiel. Es gibt keine Schießereien, keine Bosskämpfe und keine Open World, sondern nur Text, Entscheidungen und einen Menschen, der dringend jemanden zum Reden braucht. Genau darin liegt sein Reiz, und genau deshalb tun die Schwächen am Ende auch so weh.

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Geschichte & Atmosphäre: Allein mit Quinn im Keller

Quinn erwacht ohne Erinnerung an die letzten Stunden in einem verschlossenen Raum. Warum er dort gelandet ist und wer ihn dorthin verschleppt hat, weiß er nicht einmal ansatzweise. Das Einzige, was ihm bleibt, ist ein Computer mit Verbindung zu einem Internet-Chatroom, und der einzige andere Teilnehmer in diesem Chat ist der Spieler. Damit ist die Rollenverteilung schnell klar: Ich bin nicht Quinn, ich bin sein Gesprächspartner, sein Ratgeber und ziemlich schnell sein einziger Hoffnungsschimmer.

Was STAY aus dieser simplen Prämisse macht, hat mich wirklich beeindruckt. Quinn schreibt lange, oft ausufernde Nachrichten über das Leben im Allgemeinen und seine vielen Probleme im Besonderen. Nach und nach wird klar, dass er emotional schwer belastet ist und deutliche Züge einer Depression zeigt. Das Spiel geht damit erstaunlich behutsam um, ohne zu dramatisieren und ohne das Thema als bloßen Schockeffekt zu missbrauchen. Wer sich auf Quinn einlässt, merkt schnell, dass es hier weniger um einen Krimi geht als um die Frage, wie man einem Menschen in einer dunklen Phase eigentlich beisteht. Für ein kleines Indie-Projekt ist das eine bemerkenswerte erzählerische Haltung, die STAY auf der Gamelab Barcelona 2018 auch eine Auszeichnung für die beste originelle Idee eingebracht hat.

Gameplay: Ein Chatfenster als Spielwelt

Gespielt wird STAY fast ausschließlich über ein Chatfenster. Quinn schreibt, ich antworte, und zwar über bis zu drei vorgegebene Schaltflächen. Die Auswahl wirkt auf den ersten Blick schlicht, hat aber spürbare Konsequenzen: Meine Antworten beeinflussen, wie Quinn sich fühlt, welchen Schritt er als Nächstes wagt und ob er seinem Gefängnis ein Stück näher kommt oder in eine tödliche Falle tappt. Gelingt es mir, das Gespräch in die richtigen Bahnen zu lenken, hebt das Quinns Laune und schaltet nach und nach neue Bereiche des Hauses frei, in dem er festgehalten wird.

Gesehen habe ich von diesem Haus dabei erstaunlich wenig, und das ist durchaus gewollt. Quinn beschreibt meist nur im Chat, was er vor sich hat, und ich treffe auf dieser Grundlage meine Entscheidung. Ab und zu lockern kurze Comic-Sequenzen das Geschehen auf und zeigen, was gerade passiert. Dazu kommt ein Kniff, der das Konzept zusätzlich auflädt: STAY läuft in Echtzeit, und wer Quinn längere Zeit allein lässt, merkt das in den folgenden Gesprächen. Das klingt nach einem Gimmick, sorgt aber tatsächlich dafür, dass sich das Weglegen des Controllers ein bisschen wie Im-Stich-Lassen anfühlt. Wer mit textlastigen Adventure-Spielen und interaktiven Geschichten etwas anfangen kann, findet hier eine ungewöhnlich intime Variante des Genres.

Rätsel: Zwischen Aha-Moment und Ratlosigkeit

Und dann wären da noch die Rätseleinlagen. Manche davon sind angenehm schnell zu durchschauen, etwa ein zerrissenes Foto, das wieder zusammengesetzt werden muss. Bei vielen anderen saß ich dagegen vor dem Bildschirm und hatte schlicht keinen Schimmer, was das Spiel eigentlich von mir will. Es gibt keine Hinweise, keine Hilfestellung und kein sanftes Anstupsen in die richtige Richtung, wenn man festhängt.

Das ist umso ärgerlicher, weil die teils bockschweren Einlagen den eigentlich so dichten Erzählfluss immer wieder unnötig aufhalten. Gerade in einem Spiel, das so stark von Stimmung und Beziehung lebt, wirkt jeder Moment ratlosen Herumprobierens wie ein Bruch. Erschwerend kommt hinzu, dass die Steuerung der Rätsel auf der PS4 mehr als unglücklich umgesetzt ist. Ein paar kleine Tipps und ein durchdachteres Bedienkonzept hätten hier viel bewirkt.

Schwächen: Rücksetzpunkte ohne Gnade

Quinn kann sterben, und zwar auf erstaunlich viele kreative Arten. Schicke ich ihn mit einer falschen Antwort auf den falschen Weg, ist das Kapitel vorbei und das Spiel setzt mich an dessen Anfang zurück. Das allein wäre verschmerzbar, wenn ich bereits gelesene Passagen einfach überspringen könnte. Genau das geht aber nicht. Im Test musste ich mir dadurch einen minutenlangen Monolog von Quinn gleich mehrere Male komplett anhören, bevor ich überhaupt wieder an die Stelle kam, an der ich gescheitert war.

Zusammen mit den undurchsichtigen Rätseln sorgt das für echte Frustmomente, und die passen so gar nicht zur ruhigen, nachdenklichen Grundstimmung des Spiels. Eine simple Überspringen-Funktion für bekannten Text wäre eine klassische Quality-of-Life-Verbesserung gewesen, die dem Spiel enorm gutgetan hätte. So bleibt das Gefühl, dass STAY seine eigenen Stärken an manchen Stellen aktiv ausbremst.

Optik & Audio: Pixel-Look mit leisen Tönen

Optisch setzt STAY auf einen Retro-Pixel-Look. Das ist Geschmackssache: Mir hat die reduzierte Darstellung gut gefallen, weil sie viel Raum für die eigene Vorstellungskraft lässt und zu einem Spiel passt, das ohnehin hauptsächlich im Kopf stattfindet. Wer dagegen opulente Grafik erwartet, wird hier nicht glücklich. Die Comic-Sequenzen fügen sich stimmig ein und geben dem Haus und seinen Schrecken zumindest punktuell ein Gesicht.

Die deutsche Textausgabe ist makellos, was bei einem derart textlastigen Spiel entscheidend ist. Bei Quinns ellenlangen Nachrichten fällt jeder Holperer sofort auf, und davon gab es im Test schlicht keine. Die Hintergrundmusik hält sich angenehm zurück und war zu keiner Zeit nervig, auch nicht beim dritten Durchlauf desselben Kapitels. Für die beklemmende Atmosphäre sorgt hier ohnehin weniger der Soundtrack als das, was Quinn schreibt.

Fazit: Ein mutiges Spiel, das sich selbst im Weg steht

STAY hat mich mit seiner Idee und seinem Protagonisten ehrlich gepackt. Ein Spiel, das fast nur aus einem Chatfenster besteht und trotzdem eine so dichte, beklemmende Stimmung erzeugt, sieht man nicht alle Tage. Vor allem der respektvolle Umgang mit dem Thema Depression hebt das kleine Indie-Spiel von vielen anderen Titeln ab, die psychische Belastungen eher als Kulisse benutzen. Wer sich dafür interessiert, wie Videospiele mit diesem Thema umgehen können, findet in unserem Hintergrund zu Gaming und mentaler Gesundheit weitere Einordnung.

Leider stehen dem die unfairen Rätsel und die gnadenlosen Rücksetzpunkte ohne Überspringen-Funktion im Weg. Sie reißen mich immer wieder aus der Geschichte heraus und machen aus einem nachdenklichen Erlebnis stellenweise eine Geduldsprobe. Wer ein Faible für psychologisch geprägte Geschichten hat und die Spielarten des Horror-Genres jenseits von Monstern und Jump-Scares mag, sollte trotzdem einen Blick riskieren, muss aber eine gute Portion Frusttoleranz mitbringen. Ohne diese Schwächen wäre STAY um einiges befriedigender.

STAY – Wertung
6,0 / 10

Starke Prämisse und ein behutsam erzählter Protagonist, ausgebremst von unfairen Rätseln, umständlicher Rätselsteuerung und Rücksetzpunkten ohne Überspringen-Funktion.

Getestet auf: PlayStation 4

Pro Contra
Originelles Chat-Konzept mit spürbaren Konsequenzen Viele Rätsel undurchsichtig, keine Hinweise
Behutsamer, respektvoller Umgang mit dem Thema Depression Umständliche Rätselsteuerung auf der PS4
Dichte, beklemmende Atmosphäre trotz minimaler Mittel Rücksetzung an den Kapitelanfang nach jedem Tod
Makellose deutsche Texte Bereits gelesene Passagen nicht überspringbar
Zurückhaltende, stimmige Musik Retro-Pixel-Look ist Geschmackssache

Spiel: STAY

Entwickler: Appnormals Team

Publisher: PQube

Genre: Psychologisches Text-Adventure

Plattformen: PC, Xbox One, PlayStation 4, Nintendo Switch

Getestet auf: PlayStation 4

Häufig gestellte Fragen zu STAY

Worum geht es in STAY?

Quinn erwacht in einem verschlossenen Kellerraum, in dem nur ein Computer mit Zugang zu einem Chatroom steht. Der Spieler ist sein einziger Chatpartner und beeinflusst mit seinen Antworten, ob Quinn sich aus seinem Gefängnis befreien kann oder dabei ums Leben kommt.

Auf welchen Plattformen ist STAY erschienen?

STAY ist zuerst für PC über Steam und für die Xbox One erschienen. Im September 2018 folgten die Umsetzungen für PlayStation 4 und Nintendo Switch. Getestet haben wir die PS4-Version.

Hat STAY deutsche Texte?

Ja. Die deutsche Textausgabe ist im Test sauber und fehlerfrei, was bei einem so textlastigen Spiel besonders wichtig ist.

Wie schwer sind die Rätsel in STAY?

Die Bandbreite ist groß. Einige Rätsel sind schnell gelöst, viele andere bleiben ohne Hinweise schwer durchschaubar und werden durch die umständliche Steuerung zusätzlich erschwert.

Kann man in STAY bereits gelesene Abschnitte überspringen?

Nein. Nach einem Tod startet das aktuelle Kapitel von vorn, und bekannte Monologe müssen erneut komplett durchlaufen werden. Das ist einer der größten Kritikpunkte im Test.

Für wen eignet sich STAY?

STAY richtet sich an Spieler, die textlastige Adventures und psychologisch geprägte Geschichten mögen und eine gewisse Frusttoleranz mitbringen. Da das Spiel sich intensiv mit Depression beschäftigt, sollte man sich auf eine emotional fordernde Erfahrung einstellen.

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