Werden Konsolen zum Luxusgut?

Werden Konsolen zum Luxusgut? Was 1.000-Euro-Konsolen für Spieler und Branche bedeuten

Eine Spielkonsole war für mich immer das Gerät, das man einsteckt, einschaltet und mit dem man einfach spielt. Kein Treiberstress, kein Aufrüsten, ein fester Preis, für den man ein paar Jahre Ruhe hat. 2026 wackelt dieses Versprechen gewaltig. Die PS5 Pro kostet inzwischen rund 900 Euro, die Steam Machine startet bei 1.039 Euro, und für die PlayStation 6 und die nächste Xbox werden Preise jenseits der 1.000-Euro-Marke gehandelt. Die Frage, ob Konsolen gerade zum Luxusgut werden, stellt sich also nicht mehr theoretisch. Hier ist meine Einordnung, mit den aktuellen Zahlen und ein paar Vergleichen, die zeigen, warum mich die Entwicklung mehr beunruhigt als jede einzelne Preiserhöhung.

Wo die Konsolenpreise im Herbst 2026 stehen

Ein Blick auf die offiziellen Preisempfehlungen zeigt, wie stark sich das Bild in nur gut einem Jahr verschoben hat. Alle drei großen Hersteller haben 2026 nachgelegt, teils mehrfach.

Gerät Preis zum Marktstart UVP Herbst 2026
Xbox Series S (512 GB) 299,99 Euro 499,99 Euro
Xbox Series X (mit Laufwerk) 499,99 Euro 799,99 Euro
PlayStation 5 499,99 Euro rund 650 Euro
PlayStation 5 Pro 799,99 Euro rund 900 Euro
Nintendo Switch 2 469,99 Euro 499,99 Euro
Steam Deck OLED (512 GB) 569 Euro 779 Euro
Steam Machine (512 GB) – 1.039 Euro

Der Satz, der für mich am meisten aussagt: Die Xbox Series S, gedacht als günstiger Einstieg, kostet heute so viel wie die große Series X zu ihrem Start im November 2020. Im Handel liegen die Preise zwar oft spürbar darunter, aber die Richtung ist eindeutig.

Warum alles teurer wird: die Speicherkrise in Kürze

Der Hauptgrund heißt Arbeitsspeicher. Rechenzentren für künstliche Intelligenz kaufen DRAM und NAND-Flash in Mengen, gegen die Konsolenhersteller kaum ankommen. Samsung, SK Hynix und Micron produzieren fast den gesamten Weltmarkt, und sie bedienen zuerst die Kunden, die am meisten zahlen. Für Konsolen ist das besonders bitter, weil ihr gemeinsamer Systemspeicher für CPU und GPU zu den teuersten Bauteilen gehört. Wer verstehen will, wie wichtig schneller Speicher fürs Spielen ist, findet die Grundlagen in unseren Erklärungen zu VRAM und zu DDR4 und DDR5.

Entspannung ist nicht in Sicht. Micron rechnet mit Engpässen mindestens bis 2027, Intel-Chef Lip-Bu Tan sprach im Oktober sogar von mehreren Jahren. Dazu kommen Zölle und eine Grundsatzentscheidung der Hersteller: Sony hat deutlich gemacht, keine Konsolen mehr mit großem Verlust verkaufen zu wollen, und Valve subventioniert seine Hardware ohnehin nicht. Genau deshalb ist die Steam Machine ein guter Gradmesser dafür, was ein Gerät dieser Klasse heute tatsächlich in der Herstellung kostet.

Drei Lager, drei Zielgruppen – bisher

Was mir an der aktuellen Generation immer gefallen hat: Jeder Hersteller hatte eine klare Antwort darauf, für wen er baut. Alle drei Lager hatten ihre Fans, und alle drei hatten ihre Berechtigung.

Microsoft: der bewusste Einstieg mit der Series S

Mit der Series S hat Microsoft 2020 etwas gemacht, das ich damals für einen klugen Schachzug hielt und heute noch mehr schätze: eine vollwertige Konsole der neuen Generation für 300 Euro, ohne Laufwerk und mit weniger Leistung, aber mit denselben Spielen. Für Familien, Gelegenheitsspieler und alle, die vor allem über den Game Pass spielen wollten, war das ein echter Türöffner, und die Konsole fand entsprechend viel Anklang. Wie Microsoft dorthin gekommen ist, zeigt unsere Xbox-Geschichte.

Sony: mehr Leistung für die, die sie wollen

Sony ist den umgekehrten Weg gegangen und hat mit den Pro-Modellen ein Angebot für Spieler geschaffen, denen die Basiskonsole nicht reicht. Bessere Bildqualität, stabilere Bildraten, Upscaling per PSSR. Auch hier gab es einen spürbaren Andrang, obwohl die PS5 Pro schon zum Start alles andere als günstig war. Ein großer Teil unserer Tests läuft auf genau diesem Gerät, meine Eindrücke dazu stehen im Test der PS5 Pro. Die längere Linie zeigt die PlayStation-Geschichte.

Nintendo: Spielspaß statt Teraflops

Nintendo hat sich aus dem Leistungswettlauf schon vor Jahren verabschiedet und setzt auf Spielideen, Marken und ein Gerät, das man mitnehmen kann. Die Switch 2 ist kein Kraftpaket, aber sie macht Spaß, und genau das wollen ihre Käufer. Wie konsequent Nintendo diesen Weg geht, erklärt unser Überblick über alle Nintendo-Konsolen.

Dieses Nebeneinander war gesund. Wer wenig ausgeben wollte, hatte eine Option, wer das Maximum wollte, auch. Mit der kommenden Generation droht diese Spreizung zu verschwinden, weil der Speicher den Boden für alle anhebt. Wie sich Generationen sonst ablösen, steht in unserem Artikel zu den Konsolengenerationen.

Gemessen am Gaming-PC sind Konsolen noch günstig – aber für wen?

Ich will fair bleiben: Wer sieht, was manche Leute in ihren Gaming-PC stecken, wird eine Konsole für 1.000 Euro nicht für Wucher halten. Ein wirklich leistungsstarker Rechner mit aktueller Grafikkarte, viel Arbeitsspeicher und schneller SSD kostet ein Vielfaches, und auch dort schlagen die Speicherpreise gerade voll durch. Rein technisch bekommt man bei einer Konsole weiterhin viel Gegenwert.

Der Haken ist ein anderer. Ein Gaming-PC für 2.500 Euro ist ein Produkt für Enthusiasten, und niemand erwartet, dass Gelegenheitsspieler so etwas kaufen. Konsolen waren immer das Gegenmodell dazu. Wenn sie in dieselbe Preisregion wandern, werden auch sie zum Enthusiastenprodukt. Für jemanden, der alle paar Tage eine Runde Rennspiel fährt oder alle paar Monate ein Story-Spiel durchspielt, rechnet sich ein Gerät für 1.000 Euro oder mehr schlicht nicht. Diese Menschen kaufen dann einfach nicht, und das trifft einen großen Teil des Marktes.

Der iPhone-Vergleich: Teuer funktioniert, wenn es Alternativen gibt

Man könnte einwenden: Beim iPhone stört der Preis doch auch niemanden. Der Andrang auf jedes neue Modell ist nach wie vor groß, obwohl die Preise Jahr für Jahr steigen und die Fortschritte zwischen zwei Generationen oft überschaubar sind. Das iPhone 18 Pro startet in Deutschland bei 1.449 Euro, und selbst das Einstiegsmodell iPhone 17e ist von 699 auf 849 Euro gestiegen.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Breite des Angebots. Wer kein Spitzen-iPhone will, greift zum kleineren Modell, zum Vorjahresgerät, zu einem aufbereiteten Gebrauchtgerät oder zu einem der unzähligen Android-Smartphones, die es in jeder Preisklasse gibt. Es gibt Hersteller, die gezielt günstige Einsteigermodelle bauen, und Ausführungen für genügsamere Kunden. Teuer an der Spitze funktioniert, weil darunter ein breiter Markt existiert.

Bei Konsolen gibt es diese Breite nicht. Drei Hersteller, jeweils eine Handvoll Modelle, und alle bewegen sich gerade gemeinsam nach oben. Wenn das günstigste Gerät eines Herstellers 500 Euro kostet, gibt es darunter nichts mehr außer dem Gebrauchtmarkt, auf dem zudem Scalper und Reseller mitmischen.

Handhelds: Das Steam Deck hat den Markt geöffnet – und dann?

Ähnlich sieht es bei den Handheld-PCs aus. Valve hat 2022 mit dem Steam Deck für 419 Euro gezeigt, dass mobiles PC-Gaming massentauglich sein kann, und damit einer ganzen Geräteklasse zum Durchbruch verholfen. Was danach kam, war allerdings vor allem ein Wettrüsten: Jeder Hersteller versucht seitdem, bei Leistung, Display oder Ausstattung noch eine Schippe draufzulegen. Das Ergebnis sind Geräte, die eher 900 als 400 Euro kosten, und einzelne Topmodelle, die weit darüber liegen.

Echte Einsteigergeräte sind selten geworden. Das Steam Deck OLED selbst kostet nach der Preiserhöhung vom Mai 779 Euro. Als günstigste ernsthafte Alternative bleibt das ROG Xbox Ally mit einer UVP von 599 Euro, das im Handel immerhin teils deutlich darunter zu haben ist. Damit kostet der billigste aktuelle Handheld-PC aber ungefähr so viel wie eine Xbox Series X vor sechs Jahren. Mehr zur Geräteklasse steht in unserem Artikel zu Gaming-Handhelds.

Was 1.000-Euro-Konsolen für die Branche bedeuten

Die Frage ist nicht, ob sich eine Konsole für 1.000 Euro oder mehr verkauft. Sie wird ihre Käufer finden. Die Frage ist, wie viele es werden, und was das für alle bedeutet, die Spiele entwickeln und verlegen.

Kleinere Basis, vorsichtigere Publisher

Große Produktionen kosten heute dreistellige Millionenbeträge, wie wir in Warum kosten Videospiele so viel? erklärt haben. Diese Summen lassen sich nur über eine große Zahl verkaufter Spiele wieder einspielen. Schrumpft die Zahl der Konsolen in den Wohnzimmern, wird jedes Risiko teurer. Ich erwarte noch mehr Fortsetzungen, Remaster und Live-Service-Titel und noch weniger Mut zu neuen Marken. Dass der Markt bereits kriselt, zeigen die schwachen US-Verkaufszahlen der vergangenen Monate.

Längere Generationen und mehr Cross-Gen

Sony und Microsoft haben laut Branchenberichten bereits erwogen, die nächste Generation zu verschieben, bis sich der Speichermarkt beruhigt. Selbst wenn PS6 und neue Xbox erscheinen, wird ein großer Teil der Spieler auf der alten Hardware bleiben. Entwickler müssen also über Jahre für zwei Generationen gleichzeitig optimieren, was Zeit und Geld kostet. Die gute Nachricht für Besitzer aktueller Geräte: Ihre Konsole bleibt länger relevant, auch dank Abwärtskompatibilität.

Abo, Cloud und PC als Ausweichrouten

Wenn Hardware zum Hindernis wird, gewinnen Wege an Bedeutung, die ohne teure Hardware auskommen. Cloud-Gaming und Abo-Modelle senken die Einstiegshürde, und Exklusivtitel verlieren weiter an Gewicht, weil sich Exklusivität bei kleiner Basis kaum noch rechnet. Die Entwicklung, die Microsoft mit seinem Xbox-Reset eingeschlagen hat, dürfte dadurch zum Branchenstandard werden. Denkbar sind auch Finanzierungs- und Mietmodelle für Konsolen, wie man sie vom Smartphone-Vertrag kennt.

Der Nachwuchs fehlt

Am meisten Sorgen macht mir dieser Punkt. Wer heute 14 ist, kauft sich keine Konsole für 1.000 Euro, und viele Eltern können oder wollen das auch nicht. Diese Jugendlichen spielen dann auf dem Smartphone, im Browser oder in Free-to-Play-Titeln und gewöhnen sich an genau diese Art zu spielen. Das sind die Käufer, die einer Branche in zehn Jahren fehlen. Gewinner dieser Entwicklung sind kleinere Studios und Indie-Spiele, die auf vorhandener Hardware gut laufen und nicht auf die neueste Generation angewiesen sind.

Was ich mir wünschen würde

Ich glaube nicht, dass Sony und Microsoft die Speicherkrise lösen können. Aber sie können entscheiden, wie sie mit ihr umgehen. Mein Wunsch wäre ein klarer Einstieg auch in der nächsten Generation, eine Art Series S der PS6-Ära: weniger Speicher, kein Laufwerk, dafür ein Preis, den sich eine Familie noch leisten kann. Dass ein abgespecktes Einstiegsmodell unter 1.000 Euro technisch denkbar ist, sagen auch mehrere Analysten. Nintendo zeigt mit der Switch 2 ohnehin, dass Spaß nicht an der Rohleistung hängt. Und Spiele, die sauber auf schwächerer Hardware laufen, würden allen helfen, auch den Spielern mit Pro-Konsole.

Fazit: Luxusgut ja, aber nicht zwangsläufig für immer

Ja, Konsolen sind gerade auf dem Weg zum Luxusgut. Die aktuelle Generation ist teurer als zu ihrem Start, die nächste wird es noch mehr, und der Grund dafür liegt außerhalb der Spielebranche. Für Enthusiasten bleibt eine Konsole auch bei 1.000 Euro ein fairer Deal, gerade im Vergleich zum Gaming-PC. Für Gelegenheitsspieler, Familien und junge Leute nicht. Wenn die Hersteller diese Gruppen verlieren, verlieren sie mehr als ein paar Verkäufe, nämlich die Breite, die Konsolen-Gaming groß gemacht hat. Ich hoffe, dass sie das rechtzeitig erkennen. Wie seht ihr das? Wo liegt eure Schmerzgrenze für die nächste Konsole?

Häufige Fragen zu Konsolenpreisen

Warum werden Spielkonsolen 2026 teurer?

Vor allem wegen der Speicherkrise. KI-Rechenzentren kaufen große Mengen an Arbeitsspeicher und Flash-Speicher, wodurch die Preise für diese Bauteile stark gestiegen sind. Dazu kommen Zölle und die Entscheidung der Hersteller, Konsolen nicht mehr mit großem Verlust zu verkaufen.

Wie viel wird die PS6 kosten?

Sony hat noch keinen Preis genannt. Analysten und Insider rechnen mit einem Preis um oder über 1.000 Euro, sofern die Speicherpreise hoch bleiben. Ein günstigeres Einstiegsmodell gilt als möglich. Den aktuellen Stand zu Release und Technik sammeln wir in unserem Artikel zu den PS6-Gerüchten.

Welche Konsole ist aktuell am günstigsten?

Nach den offiziellen Preisempfehlungen liegen die Xbox Series S mit 512 GB und die Nintendo Switch 2 mit jeweils 499,99 Euro gleichauf. Im Handel sind beide teils deutlich günstiger zu bekommen.

Lohnt sich ein Gaming-PC statt einer teuren Konsole?

Das hängt vom Spielverhalten ab. Ein leistungsfähiger Gaming-PC ist in der Regel deutlich teurer als eine Konsole und ebenfalls von steigenden Speicherpreisen betroffen. Wer nur gelegentlich spielt, fährt mit einer aktuellen Konsole, einem Abo-Dienst oder Cloud-Gaming meist günstiger.

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