Masters of the Universe

Masters of the Universe (2026) im Review: Verschenkte Epicness

Ich war sieben, als ich Dolph Lundgren zum ersten Mal als He-Man erlebt habe – nicht im Kino, sondern auf VHS aus der Videothek um die Ecke. Schon damals war klar: Das ist nicht ganz das, was ich aus Comics, Zeichentrickserie und Hörspielen kannte. Und trotzdem hat mich dieser seltsame, düstere kleine Film nie wieder losgelassen. Fast 40 Jahre später wollte die 2026er Version von Masters of the Universe alles besser machen – mit einem Budget von bis zu 200 Millionen Dollar, einem hochkarätigen Cast und dem erklärten Anspruch, endlich die „Epicness“ auf die Leinwand zu bringen, die Grayskull verdient hätte. Ob das gelungen ist, und warum die Geschichte sich auf unheimliche Weise wiederholt, klären wir in diesem Review.

Kurzübersicht

  • Regie: Travis Knight (Bumblebee, Kubo und der Zauberbogen)
  • Cast: Nicholas Galitzine (Prince Adam/He-Man), Camila Mendes (Teela), Idris Elba (Duncan/Man-At-Arms), Jared Leto (Skeletor), Alison Brie (Evil-Lyn)
  • Laufzeit: 141 Minuten
  • Kinostart: 5. Juni 2026
  • Genre: Fantasy, Action, Abenteuer

Worum geht’s?

Prince Adam wächst, von seiner Heimat Eternia getrennt, auf der Erde auf. Fünfzehn Jahre später führt ihn das Schwert der Macht zurück in eine Welt, die unter der Schreckensherrschaft Skeletors in Trümmern liegt. Gemeinsam mit Teela und Man-At-Arms Duncan muss Adam lernen, sein wahres Ich als He-Man anzunehmen, um sein Königreich zurückzuerobern.

Darsteller: Licht und Schatten

Rein darstellerisch ist Masters of the Universe deutlich weniger das Problem, als man angesichts der restlichen Kritik vermuten könnte. Nicholas Galitzine bringt körperlich glaubwürdig Präsenz als Adam/He-Man mit, wird aber vom Drehbuch immer wieder in unpassend tollpatschige Momente gedrängt, die seiner Leistung im Weg stehen. Idris Elba verleiht Duncan/Man-At-Arms die nötige Autorität und ist einer der wenigen Figuren, die konsequent ernst genommen werden. Jared Leto als Skeletor pendelt zwischen genuin bedrohlichen Momenten und overacteter Theatralik – wieder dieses Grundproblem des Films: Man traut sich nicht, sich für einen Ton zu entscheiden. Camila Mendes als Teela bleibt dagegen seltsam blass für eine Figur, die im Franchise traditionell viel eigenständiger auftritt.

Ambition trifft auf inkonsequente Umsetzung

Anders als der 1987er Film, der Zuschauer ohne große Erklärung mitten ins Geschehen warf, versucht die 2026er Version, die Geschichte konsequent von vorne zu erzählen – inklusive Adams Kindheit auf Eternia und der frühen Freundschaft mit Teela und Duncan. Ein interessanter Ansatz, der aber genau dort zum Problem wird, wo der Film ihn wieder verlässt: Kaum ist die Rahmenhandlung angerissen, überfällt Skeletor mit einem Rums die Szenerie, und der Film wechselt abrupt ins Höllentempo. Was Adam in den fünfzehn Jahren auf der Erde erlebt hat, spielt für die Erzählung praktisch keine Rolle mehr – kaum ist das Schwert gefunden, geht es schon wieder Schlag auf Schlag weiter. Diese Inkonsequenz im Erzähltempo ist eines der größten strukturellen Probleme des Films.

Auch tonal findet Masters of the Universe nie eine klare Linie. Kaum hat man das Gefühl, der Film traue sich, düsterer und ernster zu werden – etwa wenn Skeletor unmissverständlich befiehlt, man solle „alle töten, Frauen und Kinder zuerst“ –, bricht im nächsten Moment schon wieder ein Witz die Stimmung. Eine Prise Humor hätte dem Franchise gut zu Gesicht gestanden, das hat schon die Zeichentrickserie bewiesen. Hier kippt der Ton aber immer wieder ins Kitschige, ohne dass sich Ernst und Leichtigkeit je zu einer stimmigen Balance finden.

Die „Trottel des Universums“

Das größte Problem ist aber die Charakterisierung der Helden selbst. Die Masters wirken über weite Strecken weniger heroisch als vielmehr trottelig – teils so sehr, dass man sie eher „Trottel des Universums“ nennen möchte. Selbst He-Man agiert phasenweise auffällig tollpatschig, was der Figur und dem, wofür sie steht, denkbar schlecht zu Gesicht steht. Genau hier bleibt der eigentliche „Zauber von Grayskull“ komplett aus: Es gibt kaum Szenen, in denen die Charaktere wirklich glänzen dürfen, kaum Momente, in denen eine aussichtslose Lage mit großer, epischer Musik in einen triumphalen Kampf umschlägt. Wenn der Film genau auf so einen Moment zusteuert, entscheidet er sich stattdessen regelmäßig für Herumgealbere statt für den großen Auftritt. Dem Film fehlt, kurz gesagt, genau das eine Wort, um das sich das ganze Franchise eigentlich dreht: Epicness.

Bezeichnend dafür ist auch der Umgang mit „The Power“ von SNAP, das früh im Film anklingt. Wer mit der Grayskull-Intro-Version des Songs aufgewachsen ist, hofft in diesem Moment auf astreinen Fanservice – und wird enttäuscht. Der Moment verpufft, statt zum emotionalen Ankerpunkt zu werden.

Fanservice mit seltsamen Prioritäten

Gerade weil so viel Sorgfalt in Setdesign und Besetzung geflossen ist, wiegt umso schwerer, welche Entscheidungen bei den ikonischen Franchise-Elementen getroffen wurden. Battle Cat kommt im Film schlicht nicht vor. Weder Wind Raider noch Talon Fighter tauchen auf. Mekaneck nutzt plötzlich seinen Hals als improvisierte Waffe, Roboto wurde optisch und konzeptionell komplett umgestaltet. Stattdessen hat man sich entschieden, mit Dian eine waschechte Randfigur einzuführen – tatsächlich stammt sie aus den Newspaper-Comic-Strips der 80er-Jahre, ist also kein Fantasieprodukt, aber eben auch alles andere als eine naheliegende Wahl gegenüber bekannteren Figuren, die im Film gar nicht oder nur am Rande vorkommen.

Das wäre alles verzeihlich, wenn der Film sich klar als „Wir erzählen euch die Geschichte in neuem, modernem Gewand aus veränderter Perspektive“ positioniert hätte. Stattdessen wirkt es, als wollte man einfach eine weitere, eigene Variante der Geschichte erzählen – exakt der gleiche Ansatz, den schon der 1987er Film verfolgt hat. Natürlich kann und muss man nicht jedes über Jahrzehnte gewachsene Detail der Franchise-Geschichte in einen einzelnen Film packen. Aber die konkrete Auswahl, was bleibt und was fehlt, wirkt seltsam unausgewogen.

Verschenktes Potenzial

Bei 141 Minuten Laufzeit hätte eigentlich genug Raum sein müssen, um sowohl die Beziehungen der Charaktere zueinander als auch große, denkwürdige Kämpfe zu entwickeln. Stattdessen bleibt die Geschichte über weite Strecken erstaunlich dünn erzählt, während gleichzeitig kaum Zeit für ruhigere Charaktermomente bleibt. Das größte Problem liegt für mich klar beim Drehbuch und beim Pacing: Es gab hier reichlich Gelegenheit für große Momente, für Situationen, in denen sich die verschiedenen Charaktere hätten beweisen können – stattdessen bleibt vieles auf halbem Weg stehen.

Bemerkenswert ist das auch mit Blick auf die Zukunft: Der Abspann deutet bereits eine Fortsetzung mit She-Ra an. Ein Hinweis darauf, dass hier durchaus langfristig geplant wurde – umso ärgerlicher, dass man die Gelegenheit, mit diesem ersten Teil ein solides Fundament zu legen, nicht konsequenter genutzt hat.

Und was sagt die Kritik?

Interessant ist der Blick auf die Rotten-Tomatoes-Werte: Mit einem Tomatometer-Score von rund 75 Prozent fiel die professionelle Kritik insgesamt deutlich wohlwollender aus, als es dieses Review vermuten lässt. Viele Kritiker honorieren offenbar genau das, was aus Fan-Perspektive eher stört: die selbstironische Leichtigkeit, den bunten Comic-Look, das Tempo. Aus einer nüchternen „guter Popcornfilm“-Perspektive mag das aufgehen. Wer aber mit jahrzehntelanger Franchise-Bindung an den Film herangeht und auf die eine, große „Zauber von Grayskull“-Gänsehaut wartet, wird – wie ich – eher enttäuscht zurückbleiben. Auch das ist letztlich eine Wiederholung der 1987er-Erfahrung: Auch damals gingen Kritik und Fan-Erwartung deutlich auseinander.

Bewertung

Gamefinity-Wertung: 5,5/10 – Ein durchschnittlicher Film ohne echte Höhepunkte, der sein enormes Potenzial an Drehbuch und Pacing verschenkt.

Fazit

Am Ende bleibt Masters of the Universe (2026) ein bisschen unterhaltsam – mehr aber auch nicht. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass es „richtig losgeht“, dass der Film den Fan-Erwartungen gerecht wird. Das ist für mich nicht passiert. Ein durchschnittlicher Film ohne echte Höhepunkte, der im Streaming-Kontext durchaus für einen unterhaltsamen Abend taugt, dessen nachvollziehbaren Kino-Flop man mit Blick auf 1987 fast schon als Wiederholung der Geschichte lesen kann. Wie genau sich die beiden Realverfilmungen im direkten Vergleich schlagen, habe ich in einem eigenen Erklärartikel gegenübergestellt. Kurz gesagt: 1987 wusste man nicht, was man tat, und traf trotzdem einen eigenen, konsistenten Ton. 2026 wusste man ganz genau, was die Fans wollen – und hat es trotzdem nicht konsequent geliefert. Am Ende bleibt vor allem das Gefühl von verschenktem Potenzial.

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