Masters of the Universe

Masters of the Universe: Die Geschichte des He-Man-Franchise erklärt

Seit dem 4. Juni 2026 läuft die neue Realverfilmung Masters of the Universe mit Nicholas Galitzine als He-Man und Jared Leto als Skeletor in den Kinos – und ist seit wenigen Tagen bereits bei Prime Video im Streaming-Abo verfügbar. Für viele ist das der erste Kontakt mit einem Franchise, das tatsächlich schon seit 1982 existiert und mehrere komplette Neuerfindungen durchlaufen hat. Wer verstehen will, warum ein Spielzeugkonzern-Nebenprodukt bis heute Kinosäle füllt, muss bei einer Spielzeuglinie beginnen, die eigentlich als Lückenfüller gedacht war.

Der Ursprung: Wie aus einer Marketing-Notlösung ein Weltreich wurde

Anfang der 1980er-Jahre war Mattel im Mädchen-Segment mit Barbie extrem erfolgreich, hatte aber im Jungen-Segment das Nachsehen: Star Wars besetzte Science-Fiction, Hasbros G.I. Joe das Militär-Thema. Firmenintern wurde nach einem eigenen Ansatz gesucht, und die Wahl fiel auf das Fantasy- beziehungsweise Sword-and-Sorcery-Genre, verstärkt durch den Kinostart von Conan der Barbar im Jahr 1982, der Arnold Schwarzenegger zum Star machte. Mattel sicherte sich zunächst sogar die Lizenzrechte an Conan-Actionfiguren, entschied sich wegen der expliziten Gewaltdarstellung im Film aber dagegen und entwickelte stattdessen eine eigene, familienfreundlichere Marke: Masters of the Universe, ursprünglich unter dem Arbeitstitel „Lords of Power“ entwickelt.

Designer Roger Sweet gilt als Schöpfer der Kernfigur He-Man, wobei sein genauer Anteil am finalen Design bis heute unter früheren Mattel-Mitarbeitern umstritten ist. Ursprünglich war eine rund 24 Zentimeter große, übermenschlich muskulöse Figur geplant, deren Statur unverkennbar an Sagengestalten wie Herkules angelehnt war. Aus Kostengründen verkleinerte Mattel das Konzept vor der Markteinführung jedoch auf die letztlich bekannte Größe von rund 14 Zentimetern, um einen wettbewerbsfähigen Verkaufspreis zu ermöglichen. Die erste Spielzeugwelle erschien 1982 mit acht Hauptfiguren, dem Fahrzeug-Begleiter Battle Cat und diversem Zubehör – und jeder Figur lag ein kleines Mini-Comic bei, das die Hintergrundgeschichte um den Planeten Eternia, Prinz Adam, Skeletor und die Festung Castle Grayskull etablierte. Der kommerzielle Erfolg übertraf mit rund 38 Millionen US-Dollar Umsatz im ersten Jahr sämtliche Erwartungen deutlich.

Die Vintage-Ära (1982–1988): Zeichentrickserie, She-Ra und ein Multimedia-Imperium

Um den Verkauf weiter zu befeuern, beauftragte Mattel das Animationsstudio Filmation mit einer Zeichentrickserie. He-Man and the Masters of the Universe lief ab September 1983 und umfasste über zwei Staffeln hinweg 130 Folgen – episodisches Abenteuerfernsehen mit moralischer Schlusspointe, das ganze Generationen prägte. Bereits im selben Jahr, 1982, griff DC Comics das Thema parallel in einem Crossover mit Superman auf, was zeigt, wie schnell sich die Marke über verschiedene Medien hinweg verzweigte.

1985 folgte mit She-Ra: Princess of Power ein gezielt an Mädchen gerichtetes Spinoff, das Prinz Adams Zwillingsschwester Adora in den Mittelpunkt stellte und dieselbe Grundmechanik – Verwandlung dank Zauberschwert und sprechendem Reittier – auf ein neues Publikum übertrug. Parallel dazu wuchs die Spielzeuglinie bis 1988 auf über 100 verschiedene Figuren, Fahrzeuge und Spielsets an. Ergänzend zur laufenden Serie entstanden in dieser Phase auch zwei abendfüllende Zeichentrickfilme sowie ein Weihnachtsspecial, die insbesondere She-Ras Einführung ins Franchise vertieften und einzelne Handlungsstränge über das reguläre Serienformat hinaus weiterspannen. Diese ursprüngliche Ära wird von Sammlern bis heute als „Vintage-Linie“ bezeichnet und bildet den Kern des heutigen Sammlermarkts.

Comics, Mini-Comics und Hörspiele: Die Randmedien, die Eternia am Leben hielten

Noch vor der Zeichentrickserie waren es die kleinen, den Figuren beigelegten Mini-Comics, die überhaupt erst eine zusammenhängende Hintergrundgeschichte für Eternia lieferten – Charaktere, Orte und Begriffe, die sich bei einer ganzen Generation von Kindern festsetzten. Parallel dazu erschienen ab 1982 eigenständige Comicreihen bei verschiedenen Verlagen, die im Laufe der Jahrzehnte wechselten: von frühen DC-Comics-Miniserien über spätere Auskopplungen bis hin zu neueren Interpretationen bei anderen US-Verlagen. In Deutschland erreichte die Marke ihr Publikum zusätzlich über lokalisierte Comic-Ausgaben und vor allem über eine eigene Hörspielserie, die zwischen 1984 und 1988 in 37 Folgen erschien und bis heute als eine der erfolgreichsten deutschen Hörspielreihen der 1980er-Jahre gilt. Diese Halbschatten-Medien – nie im Rampenlicht wie Serie oder Filme, aber kontinuierlich präsent – erklären mit, warum die Marke auch in Jahren ganz ohne neue Zeichentrickserie oder Kinofilm nie vollständig aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwand.

1987: Der erste Realfilm und sein zweischneidiges Erbe

Auf dem Höhepunkt des Hypes brachte Cannon Films 1987 die erste Realverfilmung in die Kinos, mit Dolph Lundgren als He-Man. Der Film verlegte die Handlung überraschend zu großen Teilen auf die Erde, genauer nach New Jersey, und ließ He-Man neben dem Schwert auch eine Schusswaffe führen – eine deutliche Abweichung von der Serienvorlage. Kommerziell und bei der Kritik floppte der Film, das gleichzeitig einbrechende Spielzeuggeschäft (auch bedingt durch die Marktsättigung nach sechs Jahren Dauerpräsenz) führte 1988 zum vorläufigen Ende der Vintage-Linie. Im Rückblick hat sich der Film jedoch zu einem echten Kult- und Nostalgie-Objekt entwickelt, das bis heute eine treue Anhängerschaft besitzt.

Die mageren Jahre: Neustartversuche zwischen 1990 und 2007

Nach dem Einbruch folgten mehrere Versuche, die Marke wiederzubeleben, jedoch ohne den Erfolg der Ursprungsära zu erreichen. 1990 kam mit The New Adventures of He-Man eine futuristischere Fortsetzungsserie samt neuer Spielzeuglinie, die aber deutlich kürzer lief. Zwischen 2000 und 2001 folgte eine limitierte Neuauflage klassischer Figuren, bevor Mattel 2002 einen kompletten Reboot wagte: neues Figuren-Design, neue Zeichentrickserie (produziert von Mike Young Productions), neue Comics. Der Erfolg blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück, sodass die Produktion bereits 2004 wieder eingestellt wurde. Von 2005 bis 2007 hielt Neca die Lizenz für unbewegliche Sammlerstatuen und Büsten, ohne dass daraus ein neuer Massenmarkt-Erfolg entstand.

Masters of the Universe Classics: Die Sammler übernehmen das Ruder

Die eigentliche Trendwende kam 2008, als Mattel unter dem Label Masters of the Universe Classics begann, monatlich neue, stilgetreu an die Vintage-Ästhetik angelehnte Sammlerfiguren zu veröffentlichen – gezielt an das inzwischen erwachsene Publikum der Erstauflage gerichtet, nicht mehr primär an Kinder. Dieses Modell erwies sich als nachhaltig tragfähig und lieferte über Jahre hinweg konstanten Nachschub für eine wachsende Sammlerszene. Wer sich für den Wert klassischer Vintage-Figuren und moderner Sammlerstücke interessiert, findet dazu in einem eigenen Artikel dieses Clusters vertiefende Informationen.

Die Netflix-Ära: Zwei völlig unterschiedliche Serien-Ansätze

2021 brachte Netflix parallel zwei sehr unterschiedliche Projekte an den Start. Zum einen He-Man and the Masters of the Universe als familienfreundliches CG-Remake der Originalgeschichte im modernisierten Animationsstil, zum anderen Masters of the Universe: Revelation unter kreativer Leitung von Kevin Smith – eine erwachsenere, ernstere Fortsetzung, die direkt an die Ereignisse der Originalserie von 1983 anknüpfte und die klassischen Gewissheiten der Kindheitsserie bewusst infrage stellte. Teela rückte hier deutlich stärker in den Fokus als Figur, die mit Verlust und Verantwortung ringt statt einfach nur Abenteuer zu bestehen. Als Sequel dazu folgte 2024 Masters of the Universe: Revolution, die diese düsterere Erzählung fortführte. Beide Netflix-Produktionen zeigten, dass sich die Marke inzwischen an klar getrennte Zielgruppen richten lässt, ohne dass sich die Ansätze gegenseitig kannibalisieren.

2026: Die zweite Realverfilmung – nach fast 20 Jahren Entwicklungshölle

Bereits 2007 kursierten erste Gerüchte über eine neue Realverfilmung, die Produktion durchlief danach jahrelang wechselnde Regisseure und mehrfache Verschiebungen, bevor Netflix ein eigenes Realfilm-Projekt 2024 wieder einstellte. Letztlich übernahmen Sony Pictures und Amazon MGM die Umsetzung: Travis Knight, bekannt für seine Arbeit an Bumblebee und selbst erklärter He-Man-Fan, inszenierte den am 4. Juni 2026 gestarteten Film mit einer prominent besetzten Riege – neben Galitzine als Prinz Adam/He-Man und Leto als Skeletor unter anderem Camila Mendes als Teela, Idris Elba als Man-At-Arms und Alison Brie als Evil-Lyn. Die Handlung folgt dieses Mal einer eigenständigen Origin-Geschichte: Prinz Adam wird als Kind von Eternia getrennt, wächst weitgehend fernab seiner Heimat auf und muss nach seiner Rückkehr sein wahres Erbe als He-Man antreten, um Eternia von Skeletors Herrschaft zu befreien.

Der rund 170 Millionen US-Dollar teure Film erschien nur etwa sieben Wochen nach dem Kinostart bereits im Streaming-Angebot von Prime Video – ein für einen Blockbuster dieser Größenordnung ungewöhnlich kurzes Fenster, das die inzwischen üblichen Auswertungsstrategien großer Studios gut illustriert. Erste Reaktionen von Publikum und Presse fielen überwiegend positiv aus, insbesondere für Letos Darstellung von Skeletor und die humorvolle Grundhaltung des Films. Regisseur Travis Knight äußerte sich bereits zu einer möglichen Fortsetzung, ohne dass eine offizielle Bestätigung vorliegt.

Ein Franchise aus Spielzeug, Filmen, Serien – und auch Videospielen

Neben Comics, Hörspielen und den erwähnten Serien und Filmen hat Masters of the Universe seit 1983 auch eine eigenständige Videospiel-Geschichte hervorgebracht, angefangen bei frühen Konsolentiteln bis zu neueren Umsetzungen. Wie bei vielen spielzeug- und filmbasierten Marken zeigt sich dabei ein Muster, das auch bei klassischen Film-Tie-In-Spielen häufig zu beobachten ist: Die Qualität der Umsetzungen schwankte über die Jahrzehnte erheblich, je nachdem, wie viel Entwicklungszeit und Budget den jeweiligen Studios zur Verfügung stand.

Warum das Franchise bis heute trägt

Was Masters of the Universe von vielen anderen Spielzeugmarken der 1980er-Jahre unterscheidet, ist die Bereitschaft, sich immer wieder komplett neu zu erfinden, statt starr an einer einzigen Kontinuität festzuhalten. Vintage-Ära, 2002er-Reboot, Netflix‘ zweigleisiger Ansatz und nun die zweite Realverfilmung bedienen jeweils unterschiedliche Publikumserwartungen, ohne dass die Kernidee – ein einfacher Junge, der durch ein Zauberschwert zum mächtigsten Mann des Universums wird – verlorengeht. Genau diese Flexibilität dürfte auch erklären, warum ein ursprünglich als Lückenfüller gedachtes Spielzeugkonzept fast 45 Jahre später noch Kinosäle füllt.

Auch außerhalb der USA hat sich über die Jahrzehnte eine treue, generationsübergreifende Fangemeinde gebildet, die die Marke aus TV-Wiederholungen, lokalisierten Comics und – im deutschsprachigen Raum – aus einer eigenständigen Hörspielreihe kennt. Diese Mehrfachverankerung über verschiedene Länder und Medien hinweg ist einer der Gründe, warum sich ein neuer Kinofilm 2026 überhaupt noch lohnt: Das potenzielle Publikum besteht längst nicht mehr nur aus Kindern der 1980er, sondern aus mehreren Generationen mit jeweils eigenem Zugang zu Eternia.

Häufig gestellte Fragen zu Masters of the Universe

Wer hat Masters of the Universe erfunden?

Die Marke entstand 1982 bei Mattel als Reaktion auf den Erfolg von Star Wars und G.I. Joe. Designer Roger Sweet gilt als Schöpfer der Hauptfigur He-Man, auch wenn sein genauer Gestaltungsanteil unter ehemaligen Mattel-Mitarbeitern umstritten bleibt.

Sind He-Man und She-Ra Teil desselben Universums?

Ja. She-Ra alias Adora wurde 1985 als Zwillingsschwester von Prinz Adam eingeführt und teilt sich mit He-Man dieselbe Grundmythologie um Eternia, Zauberschwerter und Castle Grayskull, richtet sich als eigene Serie aber gezielt an ein anderes Publikum.

Wie viele Masters-of-the-Universe-Realfilme gibt es?

Bislang zwei: den 1987 erschienenen Film mit Dolph Lundgren und die 2026 gestartete Neuverfilmung mit Nicholas Galitzine in der Hauptrolle.

Kommt eine Fortsetzung des 2026er-Films?

Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht, Regisseur Travis Knight hat sich aber bereits öffentlich zu einer möglichen Fortsetzung geäußert.

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