Der polnische Spielekonzern CD Projekt trägt künftig denselben Namen wie sein bekanntestes Entwicklerstudio: CD Projekt Red. Auf der Hauptversammlung am 23. Juni 2026 stimmten die Aktionäre für die Umbenennung des börsennotierten Mutterkonzerns in CD Projekt Red Spółka Akcyjna. Rechtlich wirksam wird der neue Name erst mit der Eintragung ins polnische Handelsregister, die noch aussteht.
Der Schritt klingt auf den ersten Blick kurios, weil CD Projekt Red als Studioname schon längst existierte. Tatsächlich war das Verhältnis der beiden Marken jahrelang klar getrennt: Der Konzern hieß CD Projekt SA, das intern agierende Entwicklerstudio CD Projekt Red. Diese Zwei-Ebenen-Struktur hatte ihren Ursprung in der Unternehmensgeschichte: 1994 als Software-Distributor gegründet, baute CD Projekt erst 2002 eine eigene Entwicklungsabteilung auf, die zunächst intern als „Red“ firmierte und 2011 kurzzeitig bereits als CD Projekt Red SA eingetragen war, bevor der Mutterkonzern wieder zum schlichten CD Projekt zurückbenannt wurde.
Nun vollzieht das Unternehmen diesen Schritt erneut – diesmal endgültig. Begründet wird die Entscheidung mit der veränderten Konzernstruktur: Nach dem Verkauf der digitalen Spieleplattform GOG.com an Mitgründer Michał Kiciński Ende 2025 deckt die Kerntätigkeit des Konzerns – Spieleentwicklung, Publishing und Markenlizenzierung – nahezu vollständig die Aktivitäten von CD Projekt Red ab. Der Vorstand erklärte, der neue Name sorge für „Konsistenz in der Markenkommunikation“ und erleichtere die internationale Identifikation des Unternehmens mit seinen Produkten.
An der operativen Struktur ändert sich nichts. CD Projekt Red betreibt weiterhin fünf Studios in zwei Gruppen: CD Projekt Red Europe mit Standorten in Warschau, Wrocław und Kraków sowie CD Projekt Red North America mit Studios in Vancouver (ehemals Digital Scapes Studios) und Boston (ehemals The Molasses Flood). Das Börsenkürzel CDR bleibt unverändert.
Was bedeutet das für Spieler? Kurzfristig: wenig. Die Umbenennung ist ein reiner Branding-Entscheid ohne Einfluss auf laufende Projekte. Das Warschauer Hauptstudio entwickelt weiterhin The Witcher 4, das auf der Unreal Engine entsteht und für PC, PlayStation 5 sowie Xbox Series X/S angekündigt ist. Das Boston-Studio arbeitet am Nachfolger von Cyberpunk 2077. Beide Titel haben noch keinen Releasetermin. Zur Gamescom 2026 in Köln (26.–30. August) wird CD Projekt Red zudem die The-Witcher-3-Erweiterung Songs of the Past präsentieren, die für 2027 angekündigt wurde.
Mittelfristig vereinfacht die Umbenennung die externe Kommunikation: Pressemitteilungen, Investoreninformationen und Stellenanzeigen laufen künftig alle unter einer Marke. Die Verwischung zwischen Konzern- und Studioebene, die Branchenbeobachter bislang für Verwirrung sorgte, entfällt damit offiziell – auch wenn sie im Alltag de facto ohnehin nie richtig gegriffen hatte. Das Studio, das die Open-World–RPG-Marken The Witcher und Cyberpunk geprägt hat, ist jetzt auch formell das Gesicht des gesamten Unternehmens.

