Stealth-Spiele sind Videospiele, in denen man Gegnern ausweicht, statt sie offen zu bekämpfen: Man versteckt sich im Schatten, schleicht leise, lenkt Wachen ab oder tarnt sich. Ziel ist meist, unentdeckt zu bleiben. Das Genre entstand 1987 mit Metal Gear aus einer technischen Not und wurde 1998 mit Metal Gear Solid, Thief und Tenchu groß.
Auf Deutsch spricht man auch von Schleichspielen. Dieser Artikel erklärt, was Stealth bedeutet, welche Mechaniken das Genre ausmachen, wie es entstanden ist und welche Spielarten es heute gibt. Außerdem zeigen wir, worauf es in unseren eigenen Tests beim Schleichen ankommt. Wo Stealth im großen Ganzen der Videospielgattungen steht, zeigt unsere Übersicht Spielegenres erklärt.
Was bedeutet Stealth?
Das englische Wort „stealth“ bedeutet Heimlichkeit oder Tarnung. Bekannt ist es auch aus der Militärtechnik, etwa beim Stealth-Bomber mit Tarnkappentechnik. In Videospielen beschreibt der Begriff ein Spielprinzip: Erfolg hat, wer unauffällig bleibt. Statt Gegner direkt anzugreifen, beobachtet man ihre Laufwege, wartet auf den richtigen Moment und nutzt Verstecke.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Stealth-Spielen und Spielen mit Stealth-Elementen. In einem echten Stealth-Spiel ist das Schleichen der Kern, offener Kampf ist schwierig oder bewusst unattraktiv. Viele Action-Adventures und Open-World-Spiele bieten dagegen Schleichen als eine von mehreren Möglichkeiten, ohne dass das Spiel davon abhängt.
Wie funktionieren Stealth-Spiele?
Fast alle Stealth-Spiele arbeiten mit denselben Grundbausteinen:
- Licht und Schatten: Im Dunkeln ist die Spielfigur schwerer zu sehen. Licht und Schatten werden so zu einem Teil des Level Designs.
- Geräusche: Rennen ist lauter als Schleichen, Schritte auf Metall oder Kies sind lauter als auf Teppich. Wer unvorsichtig ist, lockt Gegner an.
- Sichtfeld: Gegner sehen nur in eine Richtung und nur bis zu einer gewissen Entfernung. Manche Spiele zeigen diese Sichtkegel direkt an.
- Alarmstufen: Gegner sind zunächst ahnungslos, werden misstrauisch und schlagen schließlich Alarm. Danach suchen sie gezielt nach der Spielfigur, in manchen Spielen endet die Mission sofort.
- Ablenkung: Ein geworfener Gegenstand lockt Wachen an eine andere Stelle. Im Test zu A Plague Tale: Innocence reicht dafür ein Tontopf.
- Ausschalten oder umgehen: Viele Spiele lassen die Wahl, Gegner zu töten, nur zu betäuben oder ganz an ihnen vorbeizuschleichen.
- Verkleidung: Wer eine Uniform trägt oder in einer Menschenmenge verschwindet, fällt nicht auf.
Was passiert, wenn man entdeckt wird?
Hier unterscheiden sich Stealth-Spiele am stärksten. Manche Missionen enden sofort mit einem Fehlschlag, sobald die Spielfigur gesehen wird. Häufiger beginnt eine Suchphase: Die Gegner durchkämmen das Gebiet, und wer sich lange genug versteckt hält, kann danach weiterschleichen. Andere Spiele lassen den offenen Kampf als Ausweg zu, machen ihn aber gefährlich. Metal Gear Solid V führte einen sogenannten Reflex-Modus ein: Wird Snake entdeckt, verlangsamt sich kurz die Zeit, und man hat einen Moment, um die Wache auszuschalten, bevor sie Alarm schlägt. Wer es strenger mag, kann die Hilfe abschalten. Mehr zur Reihe steht in unserem Test zu Metal Gear Solid V.
Was bedeuten Ghosting und Pacifist-Run?
Viele Fans spielen Stealth-Spiele mit selbst gesetzten Regeln. Beim Ghosting wird man kein einziges Mal entdeckt, beim Pacifist-Run tötet man niemanden. Manche Spiele belohnen das ausdrücklich. In Dishonored etwa beeinflusst die Zahl der getöteten Gegner, wie düster die Welt wird und welches Ende man sieht.
Woher kommt das Stealth-Genre?
Erste Ansätze gab es schon in den frühen Achtzigern. Laut Wikipedia gilt Manbiki Shounen von 1979 als erstes Stealth-Spiel, im Sega-Automaten 005 von 1981 weicht man Taschenlampen aus und versteckt sich in Kisten. Im selben Jahr konnte man in Castle Wolfenstein Uniformen erbeuten und unerkannt an Wachen vorbeigehen. Wie aus diesem Schleichspiel später der erste moderne Ego-Shooter wurde, erzählt die Geschichte der Wolfenstein-Reihe.
Den Durchbruch brachte Metal Gear von 1987. Hideo Kojima sollte für den MSX2-Computer ein Actionspiel entwickeln, doch die Hardware kam mit mehreren Figuren und Kugeln auf dem Bildschirm kaum zurecht, das Bild flackerte. Kojima machte daraus ein Spiel, in dem man Kämpfen ausweicht. „Metal Gear wurde aus Hardware-Beschränkungen geboren“, sagte er 2009 auf der Game Developers Conference. Die ganze Entwicklung der Reihe steht in der Geschichte von Metal Gear, das Studio dahinter im Porträt von Konami.
Als Wendepunkt gilt das Jahr 1998. Innerhalb weniger Monate erschienen drei Spiele, die das Genre prägten:
| Jahr | Spiel | Bedeutung für das Genre |
|---|---|---|
| 1998 | Metal Gear Solid | Stealth in 3D, filmreif inszeniert |
| 1998 | Thief: The Dark Project | erstes Stealth-Spiel aus der Ego-Perspektive, Licht als Kernmechanik |
| 1998 | Tenchu: Stealth Assassins | Ninja-Schleichen im feudalen Japan |
| 2000 | Hitman: Codename 47 | Verkleidung und ausgeklügelte Attentate |
| 2002 | Splinter Cell | mehr Realismus, Echtzeitschatten |
| 2007 | Assassin's Creed | Verstecken in Menschenmengen |
| 2012 | Dishonored | freie Lösungswege, Konsequenzen für die Welt |
| 2014 | Alien: Isolation | Schleichen vor einem unbesiegbaren Gegner |
Jedes der drei Spiele von 1998 setzte einen anderen Schwerpunkt. Metal Gear Solid inszenierte das Schleichen wie einen Agentenfilm und zeigte auf einem Radar, wohin die Wachen schauen. Thief machte Licht zur wichtigsten Ressource: Eine Anzeige verriet, wie sichtbar Meisterdieb Garrett gerade ist. Tenchu verlegte das Prinzip ins feudale Japan und ließ Ninjas über Dächer huschen.
In den 2000ern wurde das Genre vielfältiger. Hitman belohnte durchdachte Attentate, bei denen man sich als Kellner, Wachmann oder Gärtner verkleidet. Splinter Cell setzte mit Nachtsichtgerät und Echtzeitschatten auf Realismus. Assassin's Creed übertrug das Verstecken von dunklen Ecken auf belebte Plätze: Wer in einer Gruppe Mönche mitläuft, fällt nicht auf.
Thief stammt vom Studio Looking Glass, das auch die Grundlagen der Immersive Sims legte und im Jahr 2000 schließen musste, mehr dazu in Die traurigsten Studioschließungen. Wie Ubisoft das Genre mit Sam Fisher prägte, zeigt die Geschichte von Splinter Cell.
Welche Arten von Stealth-Spielen gibt es?
- Stealth-Action: Schleichen steht im Mittelpunkt, Kämpfe sind möglich, aber riskant. Beispiele sind Metal Gear Solid, Splinter Cell und Assassin's Creed Mirage.
- Immersive Sims: Die Spielwelt reagiert auf viele Lösungswege, Schleichen ist einer davon. Beispiele sind Thief, Deus Ex und Dishonored.
- Stealth-Horror: Man kann sich nicht wehren und muss sich verstecken, etwa in Amnesia, Outlast oder Alien: Isolation. Mehr dazu im Horror-Genre erklärt und in der Geschichte der Alien-Videospiele.
- Taktik-Stealth: Man steuert ein ganzes Team aus der Draufsicht und plant jeden Zug. Begründet hat das Commandos von 1998, später perfektioniert von Mimimi Games aus München mit Shadow Tactics (2016), Desperados III (2020) und Shadow Gambit (2023).
- Social Stealth: Statt im Schatten versteckt man sich in der Öffentlichkeit, etwa in Verkleidung wie in Hitman oder in der Menge wie in Assassin's Creed. Die Reihenfolge der Assassin's-Creed-Spiele steht in unserer Assassin's-Creed-Chronologie.
- 2D-Stealth: Schleichen in der Seitenansicht, etwa in Mark of the Ninja von 2012.
- Stealth als Element: Viele große Spiele bieten Schleichen als Option, etwa Ghost of Tsushima oder die Sniper-Elite-Reihe.
Warum macht Schleichen so viel Spaß?
Stealth-Spiele drehen das übliche Machtgefälle um. In vielen Actionspielen ist die Spielfigur stärker als alle anderen, beim Schleichen ist sie oft verwundbar. Gerade daraus entsteht die Spannung: Jede Patrouille ist eine Bedrohung, jeder Schatten ein rettender Ort.
Dazu kommt der Reiz des Planens. Ein bewachter Bereich funktioniert wie ein Rätsel: Man beobachtet Laufwege, merkt sich Rhythmen und sucht die Lücke. Gelingt der Plan, fühlt sich das wie ein Triumph an, der allein der eigenen Geduld zu verdanken ist. Scheitert er, lädt man den letzten Spielstand und probiert einen anderen Weg. Dieses Versuchen und Verbessern gehört bei vielen Stealth-Spielen fest dazu.
Gibt es Stealth auch im Multiplayer?
Ja, wenn auch seltener. Splinter Cell: Pandora Tomorrow führte 2004 den Modus „Spies vs. Mercenaries“ ein: Eine Seite schleicht als Spione aus der Third-Person-Perspektive, die andere jagt sie als Söldner aus der Ego-Sicht. Assassin's Creed: Brotherhood übertrug 2010 das Verstecken in der Menge auf den Mehrspielermodus, in dem man sein Ziel unter vielen gleich aussehenden Figuren finden muss. Verwandt damit sind Spiele, in denen es ums Täuschen und Enttarnen geht, mehr dazu in Social Deduction erklärt. Auch im Koop gibt es Schleich-Erlebnisse, etwa wenn ein ganzes Team einen Raubzug unbemerkt durchziehen will.
Sind Stealth-Spiele eine Nische?
Reine Stealth-Spiele haben es schwer, weil sie Geduld verlangen. Schon Splinter-Cell-Leveldesigner Clint Hocking hielt ein sofortiges Spielende bei Entdeckung für frustrierend. Viele Reihen sind deshalb nach 2000 stärker in Richtung Action gerückt, Splinter Cell: Conviction von 2010 zwang Spielerinnen und Spieler sogar zum Kampf und war entsprechend umstritten.
Auch der Abschied von Mimimi Games wird oft in diesem Zusammenhang genannt. Das Münchner Studio kündigte am 29. August 2023 an, nach Shadow Gambit aufzuhören. Als Grund nannten die Gründer allerdings nicht das Genre, sondern die persönliche Belastung durch immer aufwendigere Produktionen. Mehr über die deutsche Szene steht in Indie-Spiele erklärt.
Tot ist das Genre trotzdem nicht. Große Produktionen setzen weiter auf Schleichen: Assassin's Creed Shadows bringt mit Naoe echte Stealth-Mechaniken zurück, Metal Gear Solid Delta erschien 2025 als Remake eines Klassikers, und 007 First Light macht Stealth zu einer von vier Säulen seines Spielprinzips.
Worauf achten wir beim Schleichen in unseren Tests?
In unseren Tests entscheidet beim Stealth vor allem eins: ob sich die Gegner glaubwürdig verhalten und ob es mehr als einen Weg zum Ziel gibt. Ein Blick auf einige Wertungen:
- Dishonored (9 von 10): bei Erscheinen 2012 „eine Offenbarung für Stealth-Fans“, mit freien Lösungswegen.
- Assassin's Creed Shadows (9 von 10): Naoe löscht Laternen, um Schatten zu schaffen, für uns die ausgereiftesten Stealth-Fähigkeiten der Reihe.
- 007 First Light (9,0 von 10): Dieselbe Situation lässt sich schleichend, kämpfend oder mit Gadgets lösen.
- Ghost of Tsushima (9 von 10): starkes Spiel, aber in Stealth-Passagen laufen Gegner manchmal direkt an versteckten Spielern vorbei.
- Metal Gear Solid Delta (8,3 von 10): respektvolles Remake von Snake Eater. Wer streng schleicht, braucht deutlich länger als Spielerinnen und Spieler, die den offenen Kampf suchen.
- A Plague Tale: Innocence (8,2 von 10): Ablenken und Vorbeischleichen ist meist die bessere Wahl als der Kampf.
- Assassin's Creed Mirage (8 von 10): „durch und durch ein Stealth-Spiel“, endlich wieder mit eigener Ducken-Taste.
- Thief (2014, 7,2 von 10): Licht und Schatten sitzen, aber das Schleichen hat Einschränkungen.
- Ereban: Shadow Legacy (7,0 von 10): starke Schattenmechanik, aber kurzer Atem.
Unsere Einordnung: Ein gutes Stealth-Spiel lebt von fairen Regeln. Wer entdeckt wird, sollte verstehen, warum. Schwache Gegner-KI nimmt dem Schleichen die Spannung, selbst wenn der Rest des Spiels überzeugt.
Häufig gestellte Fragen
Was sind Stealth-Spiele?
Stealth-Spiele sind Videospiele, in denen man Gegnern ausweicht, statt sie offen zu bekämpfen. Man nutzt Schatten, Geräusche, Ablenkungen und Verstecke, um unentdeckt ans Ziel zu kommen.
Was bedeutet Stealth auf Deutsch?
Stealth bedeutet Heimlichkeit oder Tarnung. Im Deutschen werden Stealth-Spiele auch Schleichspiele genannt.
Was war das erste Stealth-Spiel?
Als erstes Stealth-Spiel gilt laut Wikipedia Manbiki Shounen von 1979. Bekannt wurde das Genre aber erst durch Metal Gear von 1987.
Was ist der Unterschied zwischen einem Stealth-Spiel und Stealth-Elementen?
In einem Stealth-Spiel ist das Schleichen der Kern, offener Kampf ist riskant oder kaum möglich. Spiele mit Stealth-Elementen bieten Schleichen nur als eine von mehreren Möglichkeiten an.
Was bedeutet Ghosting in Stealth-Spielen?
Ghosting heißt, eine Mission oder ein ganzes Spiel zu beenden, ohne ein einziges Mal entdeckt zu werden. Viele Stealth-Fans spielen bewusst so.
Welche Stealth-Spiele gelten als Klassiker?
Als Klassiker gelten vor allem Metal Gear Solid, Thief: The Dark Project, Splinter Cell, Hitman und Dishonored. Sie haben die Mechaniken geprägt, die das Genre bis heute ausmachen.


