Keine Ratten, keine Amicia, dafür Schwertkämpfe und eine Insel voller Geheimnisse: Mit Resonance: A Plague Tale Legacy wagt Asobo Studio den bisher größten Kurswechsel der Reihe. Das Prequel ist seit dem 27. August 2026 für PS5, Xbox Series X|S und PC erhältlich und schickt die junge Schmugglerin Sophia auf eine Schatzsuche ans Mittelmeer. Statt verzweifelter Flucht stehen offene Kämpfe, Lichträtsel und eine Kreatur in der Tiefe im Mittelpunkt. Ich habe das Spiel auf der PS5 Pro gespielt, mit Patch 1.003. Hier ist mein Test.
Story & Atmosphäre
Resonance spielt im Jahr 1334, rund 15 Jahre vor den Ereignissen von A Plague Tale: Innocence. Im Mittelpunkt steht Sophia, die Schmugglerin, die Amicia und Hugo in Requiem zur Seite stand. Hier ist sie noch jung, impulsiv und Teil einer Bande von Plünderern, die einem legendären Schatz hinterherjagt. Die Reise führt von Venedig auf eine sagenumwobene Mittelmeerinsel, die eng mit der Legende vom Minotaurus verwoben ist.
Der Einstieg hat mir richtig gut gefallen. Das Spiel beginnt mysteriös und baut sofort eine dichte, geheimnisvolle Grundstimmung auf. Danach war ich storytechnisch aber erst einmal etwas lost, und diese Phase zog sich ziemlich lange. Es geht um die Insel und um Schatzsucher, doch die eigentliche Absicht hinter der Expedition und das ganze Drumherum bleiben lange unklar.
Erst nach und nach wird deutlich, worum es wirklich geht: Sophia trägt eine besondere Gabe in sich, die den Schatzsuchern äußerst nützlich ist. Die Bande selbst besitzt nichts dergleichen. Sophia befindet sich also nicht unter Gleichgesinnten, sondern unter Leuten, die sie vor allem brauchen. Dazu kommen Visionen aus der minoischen Vergangenheit der Insel, die eine zweite Erzählebene öffnen.
Dieser Konflikt hat Potenzial, entfaltet sich für meinen Geschmack aber nie ganz. Ich habe auch die eine oder andere Story-Lücke entdeckt. Die ist nicht relevant, um das Spiel zu verstehen oder zu beenden, hinterlässt bei mir aber einen leicht unbefriedigenden Eindruck. Auch die Dramatik der Vorgänger kommt nur bedingt auf. Sophia gerät immer wieder in scheinbar aussichtslose Lagen und muss all ihre Kräfte und ihren Willen aufbringen, um weiterzumachen. Das spürt man gelegentlich, manchmal wirkt es aber auch eher gegenteilig. An die Intensität, mit der Amicia und Hugo um ihr Überleben gekämpft haben, kommt Resonance nicht heran.
Gute Nachricht für Neueinsteiger: Die Verbindung zur de-Rune-Saga ist bewusst locker gehalten. Resonance lässt sich problemlos ohne Vorkenntnisse spielen und funktioniert als eigenständiges Spinoff.
Kampfsystem & Fähigkeiten
Der größte Bruch mit der Reihe ist das Kampfsystem. Statt sich mit der Schleuder durch die Schatten zu schleichen, stellt sich Sophia ihren Gegnern offen mit Schwert und Dolch. Ausweichen, Blocken, Parieren, ein kräftiger Tritt und ein Enterhaken, mit dem sie Gegner heranzieht, bilden das Grundgerüst.
Das System ist gut zu handhaben, aber auch recht simpel. Viele der freischaltbaren Spezialfähigkeiten sind mir im Kampfgeschehen gar nicht so extrem aufgefallen. Eine Ausnahme hat mein Spielgefühl aber deutlich verändert: das Blocken roter Angriffe. Vorher musste ich immer wieder ausweichen, danach wurde meine Kampfhaltung direkter und teilweise richtig aggressiv. Gerade in den Kämpfen gegen größere Gruppen hat mir das sehr geholfen.
Die verschiedenen Schwerter, die sich im Lauf des Abenteuers finden lassen, habe ich dagegen nur bedingt zur Kenntnis genommen. Sie wirken eher wie ein notwendiges Spielelement. Ähnlich geht es den Sammelgegenständen, die sich relativ unauffällig in das Spielgeschehen und die Spielmechanik einreihen.

Rätsel, Erkundung & Kreaturen-Passagen
Zwischen den Kämpfen setzt Resonance auf Erkundung und Rätsel und erinnert damit an klassische Action-Adventures. Mit einem minoischen Prisma lenkt Sophia Lichtstrahlen, macht verborgene Zeichen sichtbar und öffnet versiegelte Wege. Die Rätsel fand ich insgesamt gut, das eine oder andere war schon etwas fordernd.
Für die meiste Abwechslung sorgen die Passagen mit der Kreatur, die an die Stelle der Rattenschwärme aus den Vorgängern tritt. Hier hilft das Schwert nicht weiter, Licht und Vorsicht entscheiden über das Weiterkommen. Diese Abschnitte bringen noch einmal eine ganz eigene Facette ins Spiel und machen das Abenteuer im Zusammenspiel mit Kampf, Klettern und Rätseln insgesamt richtig abwechslungsreich.
Technik & Präsentation auf der PS5 Pro
Auf der PS5 Pro bietet Resonance drei Modi: einen Grafikmodus mit 30 Bildern pro Sekunde, einen Performance-Modus mit 60 Bildern pro Sekunde und einen 120-Hz-Modus mit freier Bildrate für passende Fernseher. Auf der Pro kommt dabei PSSR-Upscaling zum Einsatz. Ich habe alle Modi ausprobiert, überwiegend aber im Grafikmodus gespielt.
Mit Update 1.003 vom 6. Oktober hat Asobo zahlreiche Fehler behoben. Unter anderem speichert die PS5 die PSSR-Einstellung jetzt korrekt, Ruckler beim Betreten neuer Kreatur-Gebiete wurden reduziert, und die deutsche Sprachausgabe läuft in den Kapiteln IV und IX nicht mehr zu schnell ab.
Die Umgebungen sind die große Stärke des Spiels. Vor allem die Außenbereiche sind sehr detailreich gestaltet und teilweise wunderschön. Hier hat Asobo scheinbar besonders viel Mühe investiert oder zumindest einen starken Fokus gesetzt.
Der Soundtrack stammt erneut von Olivier Derivière und ist wunderschön, richtig klasse. Für Resonance setzt er unter anderem auf einen Chor griechisch-zyprischer Sängerinnen und traditionelle Instrumente. In den Kreatur- und einigen Kampfpassagen passten Ton und Rhythmus für mich aber nicht ganz. Das haben die Abenteuer von Amicia und Hugo besser gemacht, und ich denke, dass hier auch ein Teil der Intensität und Dramatik auf der Strecke geblieben ist. Mehr zur Rolle von Musik in Spielen findest du in unserem Artikel zur Spielemusik.
Schwächen
Die Story braucht lange, um Fahrt aufzunehmen, und bleibt in der ersten Hälfte unklar in ihrer Richtung. Der zentrale Konflikt um Sophias Gabe entfaltet sich nie ganz, und einige Lücken bleiben offen. Das Kampfsystem ist simpel, viele Spezialfähigkeiten fallen kaum ins Gewicht, und Schwerter wie Sammelobjekte bieten wenig Motivation. Dazu kommt eine Dramatik, die nicht an Innocence und Requiem heranreicht, auch weil die Musik in Kreatur- und Kampfpassagen nicht immer den richtigen Ton trifft.
Fazit
Resonance: A Plague Tale Legacy ist ein sehr unterhaltsames Abenteuer, das einige nette Ideen hat und vieles richtig macht. Die Außenbereiche sind teils atemberaubend, der Soundtrack ist herausragend, und der Mix aus Kämpfen, Lichträtseln und Kreaturen-Passagen sorgt für viel Abwechslung. Dem stehen eine Story, die sich lange ohne klare Richtung zieht und nie ganz entfaltet, ein recht simples Kampfsystem und eine Dramatik gegenüber, die nicht an die Vorgänger herankommt. Wer offen für den Kurswechsel ist, bekommt ein schönes Action-Adventure, das auch ohne Vorkenntnisse funktioniert. Mein Fazit lautet: Ein gelungenes, wunderschönes Prequel, das unterhält, aber nicht überragt.
| ✅ Stärken | ❌ Schwächen |
|---|---|
| + Detailreiche, teils wunderschöne Außenbereiche | – Story zieht sich lange ohne klare Richtung |
| + Herausragender Soundtrack von Olivier Derivière | – Handlung entfaltet sich nie ganz, einige Lücken bleiben |
| + Mysteriöser, stimmungsvoller Einstieg | – Weniger Intensität und Dramatik als bei Amicia und Hugo |
| + Abwechslungsreicher Mix aus Kampf, Rätseln und Kreaturen-Passagen | – Kampfsystem recht simpel, Spezialfähigkeiten, Schwerter und Sammelobjekte bleiben blass |
| + problemlos ohne Vorkenntnisse spielbar | – Musik passt in Kreatur- und manchen Kampfpassagen nicht ganz |
Getestete Version: PS5 Pro – Patch 1.003, Stand Oktober 2026
UVP: 59,99 € (PS5, Xbox Series X|S) / 49,99 € (PC)
Für wen: Fans linearer Action-Adventures mit Kämpfen, Rätseln und starken Kulissen sowie Einsteiger in die Reihe. Wer vor allem die Schleich-Dramatik von Innocence und Requiem sucht, wird hier weniger fündig.
Offenlegung: Selbst erworben (Disc-Version). Kein Review-Code vom Publisher erhalten.