Electronic Arts

Von Westwood bis BioWare: Alle Studios, die EA geschlossen hat

Mit BioWare hat Electronic Arts im Oktober 2026 eines der berühmtesten Rollenspiel-Studios der Welt geschlossen. Für viele Fans war das ein Schock, aber kein Einzelfall. Seit den 1990er-Jahren hat EA immer wieder Studios übernommen, deren Spiele Genres geprägt haben, und sie Jahre später aufgelöst oder in andere Teams eingegliedert. Westwood, Origin, Bullfrog, Pandemic und Visceral gehören zu den bekanntesten Namen auf dieser Liste. Wir zeigen dir, welche Studios EA geschlossen hat, wie es jeweils dazu kam und was aus ihren Spielen wurde.

Kaufen, eingliedern, schließen: das Muster

Electronic Arts ist einer der größten Publisher der Welt und ist über Jahrzehnte vor allem durch Übernahmen gewachsen. Viele Studios behielten nach dem Kauf zunächst ihren Namen und ihre Marken, wurden aber nach und nach in die Konzernstrukturen eingebunden. Blieb ein großes Spiel hinter den Erwartungen zurück oder änderte EA seine Strategie, folgten Umbau, Stellenabbau und am Ende oft die Schließung.

Wie viele Studios genau betroffen sind, hängt von der Zählweise ab, weil EA Teams häufig umbenennt, zusammenlegt oder in andere Standorte überführt. Das US-Magazin Kotaku kam nach der BioWare-Schließung in einer eigenen Zählung auf 19 Studios, die EA gekauft und später geschlossen hat. Dazu kommen Studios, die EA selbst gegründet und wieder aufgelöst hat. Einen Überblick über die gesamte Branche gibt unser Artikel zu den wichtigsten Studioschließungen der Spielegeschichte.

Die wichtigsten geschlossenen EA-Studios im Überblick

Studio Bei EA seit Geschlossen Bekannt für
Origin Systems 1992 2004 Ultima, Wing Commander
Bullfrog Productions 1995 2001 (in EA UK aufgegangen) Populous, Theme Hospital, Dungeon Keeper
Maxis (Studio Emeryville) 1997 2015 SimCity, Spore
Westwood Studios 1998 2003 Command & Conquer, Dune II
Kesmai 1999 2001 Air Warrior
DreamWorks Interactive / Danger Close 2000 2013 (in DICE LA aufgegangen) Medal of Honor
Black Box Games 2002 2013 Need for Speed, Skate
Mythic Entertainment 2006 2014 Dark Age of Camelot, Warhammer Online
Phenomic 2006 2013 SpellForce, BattleForge
Pandemic Studios 2007 2009 Star Wars: Battlefront, Mercenaries
Playfish 2009 2013 Pet Society
Victory Games 2011 (gegründet) 2013 Command & Conquer (eingestellt)
Visceral Games 1998 (gegründet) 2017 Dead Space, Dante's Inferno
Industrial Toys 2018 2023 Battlefield Mobile (eingestellt)
Ridgeline Games 2021 (gegründet) 2024 Battlefield-Kampagne
Cliffhanger Games 2021 (gegründet) 2025 Black Panther (eingestellt)
BioWare 2007 2026 Mass Effect, Dragon Age

Die frühen Jahre: Origin, Bullfrog und Westwood

Origin Systems (1992 bis 2004)

Origin wurde 1983 von Richard Garriott und seiner Familie gegründet und machte sich mit der Rollenspielreihe Ultima und der Weltraumserie Wing Commander einen Namen. 1992 kaufte EA das Studio für rund 35 Millionen US-Dollar in Aktien. 1997 erschien mit Ultima Online eines der ersten großen grafischen MMORPGs. Danach sollte Origin nur noch Onlinespiele entwickeln. Nach dem schwach aufgenommenen Ultima IX strich EA alle neuen Projekte, Garriott verließ das Studio im Jahr 2000. Im Februar 2004 löste EA Origin auf. Spannend wird es nun 2027: Garriott will die Rechte an Ultima von EA zurückholen.

Bullfrog Productions (1995 bis 2001)

Das britische Studio von Peter Molyneux und Les Edgar erfand mit Populous das Göttersimulations-Genre und lieferte mit Theme Park, Theme Hospital, Syndicate und Dungeon Keeper eine ganze Reihe von Klassikern. EA übernahm Bullfrog Anfang 1995. Molyneux verließ das Studio wenige Jahre später und gründete Lionhead. 2001 ging Bullfrog in EA UK auf und verschwand als eigenständiges Studio, Theme Park Inc war das letzte Spiel unter dem Namen.

Westwood Studios (1998 bis 2003)

Kaum eine Schließung schmerzt Strategiefans bis heute so sehr. Westwood aus Las Vegas hatte mit Dune II das moderne Echtzeitstrategie-Genre geprägt und mit Command & Conquer eine der erfolgreichsten Strategiereihen überhaupt geschaffen. 1998 kaufte EA das Studio zusammen mit Burst Studios für 122,5 Millionen US-Dollar von Virgin Interactive. Nachdem die letzten Spiele Command & Conquer: Renegade und das Onlinespiel Earth & Beyond die Erwartungen nicht erfüllten, kündigte EA im Januar 2003 die Schließung an. Ein Teil der Belegschaft wechselte zu EA Los Angeles, andere gründeten noch 2003 das Studio Petroglyph.

Die große Welle von 2009 bis 2015

Pandemic Studios (2009)

Pandemic aus Los Angeles entwickelte Star Wars: Battlefront, Mercenaries und Destroy All Humans!. Gemeinsam mit BioWare gehörte das Studio zur Holding VG Holding, die EA Ende 2007 übernahm. Nur knapp zwei Jahre später, im November 2009, schloss EA Pandemic im Zuge eines Sparprogramms mit rund 1.500 gestrichenen Stellen, 228 Beschäftigte verloren ihren Job. Das letzte Spiel des Studios, The Saboteur, erschien wenige Wochen danach.

2013: Phenomic, Black Box, Victory und weitere

2013 war eines der härtesten Jahre in der Geschichte von EA. Betroffen war auch ein deutsches Studio: Phenomic aus Ingelheim am Rhein, gegründet 1997 von Siedler-Erfinder Volker Wertich. Das Team hatte die Reihe SpellForce erfunden und entwickelte unter EA das Online-Strategiespiel BattleForge sowie Browserspiele wie Lord of Ultima und Command & Conquer: Tiberium Alliances. Im Juli 2013 machte EA das Studio mit rund 60 Beschäftigten dicht, BattleForge ging am 31. Oktober 2013 vom Netz. Was eine solche Server-Abschaltung für Spieler bedeutet, haben wir separat erklärt.

Im April 2013 schloss EA zudem Black Box aus Kanada, das Studio hinter Need for Speed: Underground, Most Wanted und der Skate-Reihe. Die Rennspielreihe wanderte zu Ghost Games weiter, ihre ganze Geschichte erzählt unser Artikel zu 30 Jahren Need for Speed. Im Juni ging Danger Close, das frühere DreamWorks Interactive und Studio hinter Medal of Honor, in DICE LA auf. Und im Oktober traf es Victory Games, das ein neues, kostenloses Command & Conquer entwickelte. Nach einem Alphatest stellte EA das Projekt ein und löste das Team auf. Ebenfalls 2013 schloss EA Playfish, das mit Facebook-Spielen wie Pet Society bekannt geworden war.

Mythic Entertainment (2014)

Mythic hatte mit Dark Age of Camelot ein erfolgreiches Onlinerollenspiel geschaffen und wurde 2006 von EA übernommen, während es an Warhammer Online arbeitete. Das MMO blieb hinter den Erwartungen zurück und ging Ende 2013 vom Netz. Zuletzt entwickelte Mythic Mobilespiele, darunter die heftig kritisierte Neuauflage von Dungeon Keeper. Im Mai 2014 schloss EA das Studio. Die Betreuung von Dark Age of Camelot und Ultima Online übernahm Broadsword Online Games, gegründet von Mythic-Mitgründer Rob Denton.

Maxis Emeryville (2015)

Maxis, die Firma hinter SimCity und Die Sims, gehört seit 1997 zu EA. Nach dem missglückten Start von SimCity im Jahr 2013, bei dem überlastete Server und der Online-Zwang für Ärger sorgten, schloss EA im März 2015 das Maxis-Studio in Emeryville. Der Name Maxis lebt beim Sims-Team in Redwood City weiter, das bis heute Die Sims 4 betreut. Ein neues SimCity gab es seitdem nicht.

Visceral Games (2017)

Visceral begann 1998 als EA Redwood Shores und entwickelte zunächst Lizenzspiele wie James Bond und Tiger Woods. 2008 gelang dem Team mit Dead Space ein Horror-Hit, 2009 folgte die Umbenennung in Visceral Games. Später arbeitete das Studio unter der kreativen Leitung von Uncharted-Autorin Amy Hennig an einem Star-Wars-Actionspiel mit dem Codenamen Ragtag. Im Oktober 2017 schloss EA das Studio mit rund 80 Beschäftigten und stellte das lineare Abenteuer ein. Viele werteten das als Zeichen, dass große Publisher das Interesse an reinen Einzelspieler-Spielen verloren. Warum Visceral zu den Studios gehört, die nach wenigen Erfolgen keine Chance mehr bekamen, zeigt unser Artikel über die traurigsten Studioschließungen.

Die jüngsten Fälle: Industrial Toys, Ridgeline und Cliffhanger

Auch in den 2020er-Jahren ging es weiter. Industrial Toys, 2018 übernommen und von Bungie-Mitgründer Alex Seropian geführt, entwickelte Battlefield Mobile und wurde nach dem Aus des Projekts Anfang 2023 geschlossen. Im Februar 2024 traf es Ridgeline Games aus Seattle. Das Studio war 2021 unter Halo-Miterfinder Marcus Lehto gegründet worden, um eine Einzelspieler-Kampagne für Battlefield zu entwickeln. EA übertrug das Projekt an Criterion, zeitgleich strich der Konzern rund 700 Stellen. Im Mai 2025 folgte Cliffhanger Games, ebenfalls aus Seattle und geleitet vom früheren Monolith-Chef Kevin Stephens. Mit der Schließung endete auch die Arbeit an einem Black-Panther-Spiel, das in Zusammenarbeit mit Marvel entstand.

BioWare (2026): das bisher größte Aus

Die Schließung von BioWare reiht sich in diese Liste ein und ist doch eine Zäsur. Das Studio aus Edmonton hatte mit Baldur's Gate, Knights of the Old Republic, Mass Effect und Dragon Age das westliche Rollenspiel geprägt. Nach den Enttäuschungen von Anthem und Dragon Age: The Veilguard schrumpfte das Team ab 2025 stark. Kurz nachdem EA im August 2026 von einem Investorenkonsortium übernommen wurde, bestätigte BioWare am 21. Oktober 2026 das Aus. Laut Bloomberg streicht EA rund 400 Stellen, rund 50 davon bei BioWare. Die Arbeit am nächsten Mass Effect endet damit. Die ganze Geschichte des Studios erzählen wir in unserem Porträt BioWare: Geschichte, Spiele und das Ende des Rollenspiel-Studios, die Details zur Schließung in unserer News.

Was aus den Marken wurde

Viele Spielereihen haben ihre Studios überlebt, zumindest zeitweise. Star Wars: Battlefront kehrte 2015 mit einem Neustart von DICE zurück, und im Oktober 2026 berichtete Bloomberg, dass Respawn und DICE gemeinsam an einem neuen Star-Wars-Projekt arbeiten, vermutlich einem weiteren Battlefront. Command & Conquer erhielt 2020 eine Remastered Collection, entwickelt unter anderem von Petroglyph, also von ehemaligen Westwood-Leuten. Dead Space kam 2023 als Remake von EA Motive zurück. Was ein solches Remake vom Remaster unterscheidet, erklären wir im Artikel zu Remaster und Remake.

Andere Marken liegen dagegen seit Jahren brach, darunter SimCity, Dungeon Keeper, Syndicate und Medal of Honor. Und auch Ehemalige der geschlossenen Studios haben die Branche weiter geprägt: Peter Molyneux gründete Lionhead, aus Westwood ging Petroglyph hervor, und frühere Pandemic-Entwickler arbeiteten später an Halo 4. Wie solche Neugründungen ablaufen, zeigt unser Artikel zu Studio-Spin-offs.

Was die Schließungen gemeinsam haben

Auch wenn jeder Fall anders liegt, tauchen bestimmte Auslöser immer wieder auf. Häufig ging der Schließung ein Spiel voraus, das kommerziell hinter den Erwartungen blieb, etwa Ultima IX, Command & Conquer: Renegade, Warhammer Online, SimCity oder Dragon Age: The Veilguard. Oft fielen Schließungen zudem mit einem Strategiewechsel zusammen, zum Beispiel hin zu Onlinespielen bei Origin, zu Mobile und Free-to-play um 2013 oder zum Live-Service-Modell in den 2010er-Jahren. Und mehrere Schließungen erfolgten im Rahmen großer Sparprogramme, 2009, 2013, 2024 und zuletzt 2026, als EA nach der Übernahme durch das Konsortium um den saudischen Staatsfonds PIF seine Kosten senken will. Mehr dazu erklärt unser Artikel EA von den Saudis gekauft: Was heißt das für Spieler?

Häufige Fragen zu EA-Studioschließungen

Welche Studios hat EA geschlossen?

Zu den bekanntesten Studios, die EA übernommen und später geschlossen hat, gehören Origin Systems, Bullfrog, Westwood Studios, Pandemic Studios, Black Box, Phenomic, Mythic Entertainment, Visceral Games und BioWare. Je nach Zählweise kommt man auf rund 20 Studios, dazu weitere Teams, die EA selbst gegründet und wieder aufgelöst hat.

Warum hat EA BioWare geschlossen?

Die Schließung ist Teil eines Sparprogramms, bei dem EA laut Bloomberg rund 400 Stellen streicht. EA will sich nach eigenen Angaben auf seine größten Projekte konzentrieren. Vorausgegangen waren die Enttäuschungen von Anthem und Dragon Age: The Veilguard sowie ein starker Personalabbau bei BioWare ab 2025.

Welches deutsche Studio hat EA geschlossen?

EA schloss 2013 das Studio Phenomic aus Ingelheim am Rhein. Es war 1997 von Volker Wertich gegründet worden, hatte die Reihe SpellForce erfunden und unter EA das Online-Strategiespiel BattleForge entwickelt. Rund 60 Beschäftigte verloren ihren Job.

Gehört Maxis noch zu EA?

Ja. EA schloss 2015 zwar das Maxis-Studio in Emeryville, der Name Maxis lebt aber beim Team in Redwood City weiter, das die Reihe Die Sims betreut.

Was wurde aus Westwood Studios?

EA schloss Westwood im Jahr 2003. Ein Teil der Belegschaft wechselte zu EA Los Angeles, andere gründeten das Studio Petroglyph, das 2020 an der Command & Conquer Remastered Collection mitarbeitete.

Fazit

Die Liste der geschlossenen EA-Studios liest sich wie ein Who's who der Spielegeschichte: Ultima, Populous, Command & Conquer, Need for Speed, Dead Space und Mass Effect stammen alle aus Studios, die es heute nicht mehr gibt. Die Gründe reichten von kommerziellen Enttäuschungen über Strategiewechsel bis zu Sparprogrammen. Mit BioWare hat diese Geschichte im Oktober 2026 ihr bislang prominentestes Kapitel bekommen.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.